„Wer bremst verliert“ und ab nach Hause!: 26’293KM – 28’290KM

„Boriss“ der Retter in der Not

Unser Mechaniker Boriss, welcher nebenberuflich in der Lettischen Auto-Cross-Liga tätig ist, sah zunächst nicht viel Hoffnung für unseren Voyage. Dennoch konnten wir ihn überreden, zu versuchen Teile aufzutreiben. Es war schwierig für ihn auch nur die Kennnummer der Benötigten Teile herauszufinden, da es wie gesagt auf dem Lettischen Markt keine Suzuki gibt. Auf ebay wurde er dann fündig. Er konnte die benötigten Teile auch noch bei einem Anbieter in Riga finden. Er versicherte uns, dass das keine Dauerlösung war, aber die Möglichkeit besteht, es bis nach Österreich zu schaffen. Die Teile sollten am nächsten Tag um 10 Uhr eintreffen, also blieb für uns nur eines übrig, nämlich nach einem Hotel zu suchen. Gesagt getan, buchten wir ein Zimmer in einem der zwei Hotels in der ältesten Stadt Lettlands, namens Luzda, in der wir uns befinden.

24 Stundenrennen durch Litauen und Polen: 26’293KM – 27’769KM

Am nächsten Tag brachen wir gleich nach einem ausgiebigen Frühstück schon etwas Früher als geplant auf, um zum Mechaniker zu gelangen. Dort trafen wir zunächst niemanden an. Der Mechaniker war zu einer Spezialfirma gefahren, um unsere Steckachse in einer Drehmaschine zurecht zu schleifen. Nach einer halben Stunde war er zurück mit weniger guten Nachrichten. Die Achse war bei der Panne verbogen worden. Er meinte, er könne sie doch einbauen und wir könnten es versuchen. Gesagt getan, verbrachte Boriss den restlichen Nachmittag damit unser Auto wieder zusammen zu bauen. Gegen 16:00 Uhr war er fertig. Unser Rad lagerte nun auf einer verbogenen Achse mit einer leeren Bremstrommel. Als wir eine Probefahrt machten, bemerkten wir, dass das Ergebnis mäßig, jedoch den Umständen entsprechend gut war. Wir beschlossen gleich aufzubrechen um so schnell wie möglich nach Österreich zu kommen. Ein weiteres mal hieß es die ganze Nacht fahren, bis wir kurz vor der Grenze zu Österreich sind. Das Fahrverhalten war mittlerweile eher beängstigend. Auch wenn das neue Lager kaum Geräusche von sich gab, vibrierte das Auto durch die verbogene Steckachse. Wenn wir die Bremse betätigten passierte erst mal gar nichts. Auch beim zweiten mal Pumpen ging sie leer durch. Erst der dritte Pumper führt zu einer zärtlichen Bremswirkung, die das Auto etwas langsamer werden lässt. Auf Grund dieser Umstände versuchten wir möglichst viel Abstand zu allen anderen Verkehrsteilnehmern zu halten und so viel wie möglich mit zurückschalten zu verzögern. Zumindest der Verkehr war entsprechend gut, da wir großteils in der Nacht auf den Polnischen Autobahnen fuhren, doch auch das änderte sich im Laufe des nächsten Tages. Im laufe der Fahrt Richtung Österreich meldete sich das Radlager immer häufiger. Was mit einem seltenen Knacken begann, endete bei einem kontinuierlichen Klackern. Nachdem wir so, binnen 24 Stunden Lettland, Litauen, Polen und Tschechien durchquerten, konnten wir es gegen 16:00 Uhr des nächsten Tages in die Nähe der Österreichischen Grenze schaffen. Dort schlugen wir unser Zelt auf und verspeisten unsere letzten Vorräte, die wir für harte Zeiten aufbewahrt hatten.

Ein Höllenritt nach (durch) Österreich: 27’769KM – 28’285KM

Früh morgens packten wir routiniert unser Zelt zusammen. Rein ins Auto und ab nach Hause hieß es. Bereits nach den ersten Kilometern auf befestigten Straßen mussten wir schlucken. Das Radlager schien ziemlich beleidigt zu sein und aus dem Klackern des Vortages wurden über Nacht sehr laute schlagartige Geräusche. Auf den gut 80 Kilometern nach Wien verschlechterte sich der Zustand unseres Lagers derartig, dass wir uns sicher waren, es war eine Frage der Zeit bis wir unsere Achse erneut verlieren oder gar noch schlimmere Dinge passieren. Wir schafften es mit angespannter Miene irgendwie nach Wien. Auch wenn unser geplantes Ziel in Tirol war, beschlossen wir hier unseren Voyage von seinen Mühen und Qualen etwas zu entlasten. Da wir nun dort waren, wo unsere Reise einst begann, beschlossen wir, die letzten Kilometer in Österreich auf eine andere Art und Weise hinter uns zu bringen. Wenn man sich ausmalt, was unsere Versicherung zu einem Unfall (unter Umständen mit anderen Beteiligten) bei solch einem Fahrzeugzustand sagen würde, war dies wohl die bessere Entscheidung an diesem Punkt.

Wir hatten so viel Glück und Segen nach all den Pannen bis hier her, dass wir entschieden, die sichere Variante zu wählen, statt ein zu hohes Risiko bei einer erzwungenen Weiterreise aus eigener Kraft einzugehen. Wir reden uns gut zu uns sagen zu uns: „Ein richtiger Rally-Veteran weiß eben, wann es Zeit ist sich abschleppen zu lassen.“ So kommt es also, dass wir unsere Freunde aus England 3000 Kilometer ins Ziel gezogen hatten und wir nun selbst den letzten Teil der Reise auf Hilfe angewiesen sind. Nachdem wir wie gesagt von hier aus die Rally gestartet haben, könnten wir es auch guten Gewissens hier gut sein lassen, dennoch wollen wir noch weiter nach Tirol um dort am Samstag gemeinsam mit Freunden, Familie und Sponsoren unsere erfolgreiche Rückkehr auch mit dem Auto zu feiern.

Welcome Home: 28’285KM – 28’290KM

Und am 5. Oktober war es dann auch so weit. In unseren klassischen Jogging-Anzügen (Nein, wir sind nicht von Adidas gesponsort) ritten wir auf unserem Voyage die letzten 5 Kilometer bis ins Sportzentrum in Rum ein. Die fahrt dahin, ohne richtige Bremsen und mit 4 wackeligen Radlagern auf denen der Rest des Autos so dahin „schwamm“, bestätigte uns, dass der Transport nach Tirol auf einem Anhänger wohl die bessere Entscheidung war. Beim Erreichen des Sportzentrums warteten unsere Familie, Freunde und einige Sponsoren mit Konfetti-Kanonen und lautem Gejubel. Nach einem kurzen Interview vor laufender Kamera, dankten wir noch unseren größten Fans und jenen Personen, welche die Klicks auf unserer Live-Tracking Seite zum explodieren brachten (unsere Muttis). Weiters dankten wir unseren Papas für das beistehen der vorher erwähnten Damen. Auch unseren Sponsoren sprachen wir an dieser Stelle noch einmal ein Dank aus, da wir ohne die Unterstützung dieser als Studenten wohl kaum die finanziellen Mittel für so eine Reise Aufwänden hätten können. Anschließend gab es Getränke und Schnitzel, welche von unserer Seite zur Verfügung gestellt worden sind. Wir stellten eine Spendenbox auf, mit Hilfe der wir uns erhofft hatten, Unser Spendenkonto noch einmal aufbessern zu können und in der Tat, wir stehen mit heutigem Datum bei 4.128,94 €.

Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns regelmäßig mit Zuspruch ermutigt haben und uns Tag für Tag verfolgt haben. Das schreiben dieser Blogs war sehr viel mehr Aufwand, als wir es uns gedacht haben. Allein eure positiven Rückmeldungen haben uns motiviert weiter zu machen. Unser Spendenkonto wird zumindest für ein weiteres Monat offen bleiben und so kann jeder, dem gefällt, was wir hier gemacht haben, dieser Sache mit einer kleinen Spende (auch wenn es nur wenige Euros sind) an den Help for Kids Spenden Fond über unser Konto, Ausdruck verleihen. Dabei möchten wir noch einmal darauf hinweisen, dass jeder Euro der hier gespendet wird zu 100 % einer bedürftigen Familie in Tirol zu gute Kommt.

#micdrop „TEAM VOYAGE OUT!“

TRIP-STATISTIK

  • 28’290 gefahrene km
  • 75 Tage unterwegs
  • 24 Länder
  • 560 Stunden im Auto
  • 30 Stunden an Grenzen
  • 20 Stunden beim Mechaniker
  • 77 Tankstops
  • 2225,20 l Benzin
  • 9 Pannen
    • 3 Platte Reifen
    • 2 gebrochene Federn
    • 4 Stoßdämpfer verbraucht
    • 1 Radlager
    • 2 x Dachträger zerstört
    • 1 x Anhängerkupplung gebrochen
  • 27 Grenzübergänge
  • 12 Zeitzonen durchquert
  • 44 Nächte im Zelt
  • 26 Nächte in Unterkünften
  • 6 Nächte durchgefahren
  • 6 Convoy’s
  • 38 mal Spagetti zum Abendessen
  • 4 x über 4000m Seehöhe
  • 5 Polizeistops
  • 538km von anderen abgeschleppt worden
  • 2956km andere abgeschleppt

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