Ist dies das Ende unserer Reise?: 25’626KM – 26’293KM

Moskau, eine moderne Hauptstadt im „Lada“-land

Um gut gestärkt in einen Tag voller Vorhaben starten zu können, suchten wir uns erstmal einen Laden zum Frühstücken. Mit etwas Glück konnten wir sogar ein Kaffe mit Englischem Menü finden. Danach ging es erneut zum Roten Platz. Von dort aus nahmen wir die Metro Richtung Norden. Wir wollten uns das Kosmonauten Museum ansehen. Das war gerade für Patrick und Simon am Pflichtprogramm. Es gab so einiges zum Sehen und ausprobieren, sodass wir ganze drei Stunden im Museum verbrachten. Nächster Programmpunkt war einer der berühmten Märkte in Moskau. Hinter der Mauern eines wunderschönen schlossartigen Gebäudes fanden wir den „Open Air“ Markt. Doch das war noch nicht das, wonach wir suchten. Ein Bekannter erzähle uns, hinter dem eigentlichen Markt würde sich eine weiterer Markt der Einheimischen befinden. Ein mal durch die Hintertür raus und schon hatten wir diesen gefunden. Von alter Russischer Kleidung bis hin zu den berühmten Matrjoschka-Puppen war alles zu finden. Um einige Souveniers reicher machten wir uns auf den Weg zum nächsten bekannten Highlight für Technik-Freaks, die längste Rolltreppe Europas in der Tiefsten Metrostation der Welt. Ganze 126 Meter lang bei einer Fahrzeit von satten 3 Minuten und 40 Sekunden. Am Abend suchten wir uns einen Libanesen um einen gelungenen Tag mit einem guten Essen ausklingen zu lassen. Eine Sache gab es da allerdings noch, der Rote Platz bei Nacht. Auch wenn wir ihn jetzt schon mehrfach gesehen haben, bei Nacht strahlt die Basilius-Kathedrale noch einmal in einen ganz anderen Licht.

Mit heißem Gummi zurück nach Europa: 25’626KM – 26’267KM

Erneutes Frühstück gemeinsam mit unserem Norwegischen Freund und dann hieß es erstmal Abschied nehmen. Das soll jedoch nicht das letzte mal gewesen sein, dass wir uns sehen. Wir haben fest vor unseren Wegbegleiter Sjur einmal in Norwegen zu besuchen. Auf dem Weg aus Moskau wollten wir noch schnell ein letztes Erinnerungsfoto machen. Wir mit unserem Auto vor der Basilius-Kathedrale, das wärs doch. So einfach war das allerdings nicht, da dort Fahrverbot war und es am Platz nur so von Polizisten und Security wimmelte. Es gab jedoch eine Seite der Kathedrale, an der eine Straße vorbei führte. Wir fuhren vorbei und Gabriel stieg mit Patrick aus um ein paar Fotos mit dem Stativ zu machen. sie bereiteten den Selbstauslöser und alles vor, während Simon mit dem Auto ein paar mal im Kreis fuhr. Als Simon mit dem Auto auf die letzten Vorbereitungen wartete und das Auto dafür in der Nähe abstellte, kam bereits ein Polizist um ihn zu verscheuchen. Mit einer lautstarken Diskussion in Tiroler Dialekt und Russisch konnten wir noch einige Sekunden heraus holen. Dann winkte Gabriel zum Angriff. Mit einem Schwung parkten wir das Fahrzeug vor der Kirche und schossen ein Foto. In gleicher Sekunde lief auch schon der vorher erwähnte Polizist zu uns und schrie irgend etwas auf Russisch. Für ein zweites Foto blieb daher leider keine Zeit, egal auch. Wir hatten zumindest eines im Kasten. Anschließend bereiteten wir uns erneut auf eine lange Schicht vor. Wir wollten möglichst schnell nach Warschau kommen, um für etwaige Probleme einen Puffer zu haben und dort noch einmal 2 Tage mit Sightseeing verbringen zu können. Es hieß also erneut eine ganze Nacht durchfahren um am Morgen des nächsten Tages die Polnische Hauptstadt zu erreichen.

Nach 635 Km erreichten wir endlich die Russische Grenze. Als wir bei dem Schranken stehen blieben fragte Gabriel plötzlich woher der Gestank kommt. Simon behauptet selbstbewusst, dass das die wartenden LKWs da hinten seien, doch dem war leider nicht so. Gabriel entdeckte Flammen an der Trommelbremse rechts hinten. Diese konnte er Gott sei Dank mit pusten aus machen. Verwirrt versuchten wir die Bremse mit Wasser etwas abzukühlen. Da waren wir auch schon an der Reihe. Wir beschlossen erst mal die Grenze zu passieren und uns danach dem Problem mit der Bremse zu widmen. Die Grenze verlief auf Russischer Seite überraschend entspannt. Das Auto wurde nur Oberflächlich untersucht und lediglich ein paar Fragen zu unserer Rally gestellt. Auf Lettischer Seite wurden wir überraschend unsympathisch empfangen. Wir wurden gefragt, ob wir denn nicht Englisch sprechen, da wir nicht verstanden welche Güter-Transportpapiere wir haben sollten. Wir waren doch kein Lastkraftwagen, also was sollten wir überhaupt her zeigen. Die Dame, die anscheinend mit dem falschen Bein in die Nachtschicht gestartet ist wollte lediglich die Zulassung sehen. Nach Angaben zum Fahrzeug auf einem Import-Dokument durften wir nach kurzer Zeit weiter. Bei der letzten Schranke wollten wir wie üblich nochmal unsere Pässe herzeigen. Das wurde erneut mit einem sehr lauten und unsympatischen „Aufwiedersehen!“ verneint. Endlich wieder in Europa widmeten wir uns unserer Bremse. Auf einer kleinen Landstraße abseits der Autobahn machten wir halt und stellten das Warndreieck auf. Wir schraubten den Reifen ab und öffneten die Bremse. Alles was davon noch übrig war, waren verschlissene Bremsbeläge und kaugummiartige Dichtungen am Bremszylinder. Dieser war wohl durch die wechselnden Bedingungen aus feuchtem Sibirischen Regen und trockener Mongolischer Hitze festgerostet, sodass wir die letzten Paar Hundert Kilometer mit schleifender Bremse fuhren. Als wir versuchten die Bremse mit WD-40 zu lösen, trat bereits einiges an Bremsflüssigkeit aus. Ein junger Einheimischer kam vorbei und zeigte uns einen Mechaniker, den wir am nächsten Tag besuchen können. Wir beschlossen die Bremse wieder zu schließen und uns in einem Studentenheim in der Nähe zur Ruh zu begeben. Mit leuchtender ABS- sowie Bremsleuchte, eingeschalteter Warnblinkanlage und ohne funktionierende Bremsen machten wir uns auf den Weg dahin. Das Studentenheim war sehr spärlich eingerichtet und wäre perfekt für den Dreh eines Horrorfilms geeignet gewesen. Uns jedoch egal, wir wollten nach all den Strapazen einfach nur schlafen.

Endet unsere Reise in Lettland?: 26’267KM – 26’293KM

Am nächsten Tag war also der Besuch beim Mechaniker um die Ecke angesagt. Dieser meinte gleich er könne uns nicht helfen. In Lettland war es nicht möglich die Teile für einen Suzuki zu bekommen, also beschlossen wir auf eigene Faust irgendwie weiter zu kommen. Der Mechaniker klemmte die Bremse ab und füllte etwas Bremsflüssigkeit nach. Das Fahrverhalten nach diesem Eingriff war alles andere als Gut. Die Bremsen sprachen sehr spät an und das ABS funktionierte nicht. Wir rollten mit 40 km/h auf der gut ausgebauten Straße in Richtung der nächsten Stadt, wo wir hofften Ersatzteile bekommen zu können. Nach ca. 20 Kilometer wurde plötzlich ein schleifendes Geräusch immer lauter. Patrick schrie von der Rückbank wir sollten sofort bremsen. Nach dem wir ein lautes Krachen wahrnehmen konnten, sah Simon aus dem Fenster und traute seinen Augen kaum. Es war das rechte hintere Rad, welches uns da gerade samt der halben Achse überholt. Wir schliffen mehrere zehner Meter auf unserer Bremse dahin, vor wir zum Stillstand kamen. Das wars dann wohl mit auf eigene Faust weiter kommen fürs erste. Nachdem wir das Pannendreieck aufgestellt uns uns Warnwesten angezogen hatten, begaben wir uns auf die andere Straßeseite hinter die Leitschiene. Von dort aus riefen wir einen Abschleppwagen, der nach 90 Minuten eintraf. Als sich der Mechaniker die Sache ansah mussten wir erst mal schlucken. „You have big problem, car stays here, you fly home i think“. Wir waren so weit gekommen und nicht einmal 2000 Kilometer vor der Ankunft zuhause soll es das gewesen sein? Wir konnten den Abschlepper überreden, uns erst mal in die Werkstatt des Mechanikers zu bringen. Dort rechneten uns beide vor was es kosten würde, wenn sie uns mit ihrem Abschleppwagen nach hause bringen würden. Der Betrag war denkbar hoch, dass das keine zufriedenstellende Lösung für uns war. 

Wir sitzen also nun in Lettland und obwohl wir es zurück in die Europäische Union geschafft haben ist nicht sicher, ob wir wir unser Abenteuer beenden können. Wir brauchen entweder Teile in einem Land in dem es diese nicht gibt, müssen eine Unmenge bezahlen um nach hause gebracht zu werden, oder unsere Reise ist hiermit offiziell beendet. 

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