Mit Vollgas Richtung Moskau: 19’756KM – 25’626KM

Zurück zu den Anfängen der Mongolei: 19’756KM – 20’688KM

Durch die erhöhte Lage unseres Nachtlagers, weckte uns die Sonne gegen ca. 6:30 Uhr. Heute wollten wir einmal wieder etwas mehr Kilometer an den Tag legen (alleine deshalb hätten wir uns schon denken können, wie der Tag enden wird…). Gute 350 Kilometer blieben die Straßen asphaltiert und die Landschaft unverändert schön. Die schöne Landschaft ist wirklich die einzige Konstante, wenn man mit dem Auto durch die Mongolei fährt. Bei den Straßen kommt einem nämlich so ziemlich alles unter. Und so wurden die Straßen auf einen Schlag wieder zu Schotter und Sandpisten. Bei den bis zu 50 cm tiefen Sandgruben hatten wir gut Arbeit, um zu verhindern, dass wir uns nicht selbst eingraben. Kaum zu glauben, dass das die Hauptroute von Ost nach West war. Sogar große LKW’s fahren über die staubigen Pisten und setzen dabei bei jeder Gelegenheit zum Überholen an. Wir benötigten über 3 Stunden um 90 Kilometer auf diesen Straßen zu schaffen. Als es bereits dunkel wurde, beschlossen wir unser Lager etwa einen Kilometer vor der nächsten Kleinstadt aufzuschlagen. Ein Feierabendbier und Spaghetti waren noch drin, bevor wir uns zeitig zur Ruh legten, da bei den Straßen für den nächsten Tag keine Besserung in Sicht war.

Das Frühstück am nächsten Tag blieb aus, da wir einfach nur so schnell wie möglich wieder zurück auf Asphaltierte Straßen wollten. Ein schneller Kaffee, zusammenpacken und zurück auf die Schotterpisten. Die Sehnsucht nach befestigten Straßen ließ Übermut aufkommen. Einmal nicht 100% bei der Sache und schon war es passiert. Wir treffen einen spitzen Stein mit einer derartigen Wucht, dass sich die komplette Stahlfelge rund 5 cm verformte. Die Luft entwich dabei schlagartig und wir hatten unseren zweiten Platten. Zumindest das Wetter war gnädig mit uns und so konnten wir bei gut 25 °C und Sonnenschein in Formel 1 Geschwindigkeit den Reifen wechseln. Kaum wieder unterwegs bemerkten wir ein seltsames Fahrzeug, das sich von hinten an uns näherte. Die Ladungssicherung war durchaus Mongolisch, da der Dachträger circa gleich hoch wie das Auto war, jedoch sah es irgendwie nicht wie ein lokales Fahrzeug aus. Tatsächlich, es war ein anderes Rallyteam, welches die Mongolei ebenfalls nach erreichen der Ziellinie durchquerte. Ein kurzer Erfahrungsaustausch und ein gemeinsames Polaroid-Foto und so schnell sie kamen, verschwanden sie auch schon wieder in einer Staubwolke. Rund 90 weitere Kilometer nach dem Start an diesem Morgen, konnten wir endlich wieder feste Straßen vorfinden. Für Mittagessen blieb dennoch nicht viel Zeit und so wurden es Die Ravioli in Tomatensauce am Straßenrand, welche wir als Notfall-Reserve aus Österreich mitnahmen. 100 Kilometer später, als wir in der nächsten Stadt nach einem Super Markt Ausschau hielten, trafen wir das andere Team erneut an einer Kreuzung. Der Norweger Sjur und der Amerikaner Taylor waren uns durchaus sympathisch und so machten wir aus Zufall Schicksal. Es soll also der wohl letzte Convoy dieser Reise sein. Gemeinsam fuhren wir weitere 250 Kilometer bis wir uns abseits der Straße einen ruhigen Schlafplatz suchten. Wir schmissen all unsere Vorräte zusammen und kreierten ein gemeinsames Abendmahl. Anschließend erzählte jeder von seinem Lieblingsmoment der Rally, während wir an einem Lagerfeuer das ein oder andere Bier mit einem Stamperl Wodka verdrückten.

Im Bummelzug Richtung Russische Grenze: 20’688KM – 21’210KM

Am Vortag hatten wir wieder einmal, ohne es zu bemerken, eine Zeitzone (ab jetzt wieder zurück Richtung heimische Zeit) gewechselt. Deshalb konnten wir unfreiwillig eine Stunde länger schlafen. Beim Verlassen des Zeltes, war die Sonne bereits zu sehen. Bis der Kaffee kochte, war auch schon alles zusammen geräumt und wir konnten gemeinsam mit dem Team Yak-Attack los starten. Der Plan war so weit wie möglich an die Russische Grenze zu kommen um am nächsten Tag, bei Sonnenaufgang, den Länderwechsel vorzunehmen. Nach 145 Kilometer beschlossen wir die befestigte Straße zu verlassen, um an einen nahegelegenen See zu fahren. Dort wollten wir ein paar Fotos machen. Als wir mit unseren Autos nicht mehr weiter konnten, standen wir irgendwo im Gemüse neben einem Kamelbauern samt Unterkunft und Familie. Wir näherten uns an um dem kleinen Jungen eine Sonnenbrille und einen Ball zum Spielen zu schenken. Noch am Vorabend meinten Sjur und Taylor, sie hätten so wie wir noch nie eine Yurt von innen gesehen. Als hätte es der Kamelbauer gewusst, lud er uns ein, auf eine warme Milch und ein paar Brötchen mit zu ihm zu kommen. Uns wurden verschiedene selbstgemachte Spezialitäten serviert, während wir abwechselnd mit dem kleinen Bub spielten. Mit dabei waren Marmelade, eine Art Sauerkäse, Hartkäse aus Ziegenmilch, selbst gemachter Wodka und Kamelmilch. Nachdem wir die Yurt wieder verließen um ein Abschlussfoto mit der Familie zu machen, brachte die Hausherrin kurzer Hand ihr Pferd hervor um uns darauf reiten zu lassen. Auch wenn wir vorher noch nie auf einem Pferd saßen, gehorchte es mit Hilfe der Besitzerin unseren Zügelbewegungen und wir konnten uns gut vorstellen, wie mobil man in der Mongolei mit einem Pferd sein würde. 

Am Weg zurück auf die Straße machten wir noch ein paar lustige Drohnen-Videos mit dem anderen Team. Bei einer der vielen Baustellenumfahrungen entdeckten wir einen kleinen Bach. Wir hielten sofort an, um uns nach sieben Tagen zumindest einer Katzendusche zu unterziehen. Frisch geduscht (zumindest fühlte es sich so an),  fuhren wir weiter bis kurz nach der Stadt Ölgii. Dort versuchten wir abseits der Straßen einen flachen Platz mit wenig Steinen zu finden, um dort unsere letzte Nacht in der Mongolei zu verbringen. Als wir auch nur langsam durch das Gestrüpp kurvten, geschah eine mittlerweile bekannte Panne. Der dritte platte Reifen der Rally, ausgelöst durch einen gerade einmal einen Zentimeter dicken Ast, welcher sich seitlich in den Reifen bohrte. Wir wussten, dass es in der Mongolei nicht möglich war, 13 Zoll PKW Reifen zu kaufen. Deshalb haben wir uns von einem befreundetem Rally-Team, einen Ersatzreifen geben lassen. Dieser hatte zwar einen etwas höheren Mantel, aber was solls, als Ersatzreifen alle mal genug. Der Platz an dem wir suchten war so windig, dass wir beschlossen im dunkeln weiter Richtung Grenze zu fahren und einen anderen Platz zu suchen. Rund 10 Kilometer vor der Grenze beschlossen wir, trotz Starkem Wind, uns hier nieder zu lassen. Durch geschicktes Auto parken und spannen unserer zweiten Plane, konnten wir ein windstilles Plätzchen schaffen, wo wir anschließend gemeinsam kochten und das Verlassen der Mongolei mit einem mongolischen Sekt und Lagerfeuer feierten. 

Der russische Marathon der sogar unser Team Spaltete: 21’210KM – 25’188KM

Der letzte Morgen in der Mongolei bricht an. Relativ früh, wie mittlerweile gewohnt. Laut anderen Teams soll sich bereits am frühen Morgen eine Schlange vor der Grenze bilden, da diese erst um 9:00 Uhr ihre Pforten öffnet. Das Frühstück verlegten wir also auf später. Lediglich ein schneller Kaffe muss sein. Kaum los gefahren, waren wir auch schon am Ende der Schlange angekommen. Gott sei Dank hatten wir nur ein halbes Duzend Trucks und drei Autos vor uns. Da bis zum Öffnen der Grenze noch Zeit blieb, beschlossen wir mit dem anderen Team Ham and Eggs zu kochen. Auch wenn uns bis hier her schon einiges unter kam, scheint es den Blicken nach zu Urteilen doch nicht ganz normal zu sein, vor dem Grenztor zu kochen. Uns egal, wir haben Hunger. Mehrmals mussten wir die beiden Autos umparken, und die mobile Küche mit dazu. Kurz bevor wir alles abgespült und verstaut hatten, ging es plötzlich sehr schnell. Wir waren an der Reihe, den Abwasch mussten wir wohl auf Russland verschieben. Bei der Ausreise mussten wir erstmals unsere Rucksäcke durch den Gepäcksscanner schicken, das andere Team jedoch nicht. Fragen stellen wir schon lange keine mehr. Als wir auf den üblichen Papierkram warteten, konnten wir durch das Fenster beobachten, wie ein paar schick gekleidete Diplomaten, welche auf dem Weg nach Russland waren, unser Auto begutachteten. Dabei wurden Fotos vom und mit dem Auto gemacht. Alles erledigt, begaben wir uns ins Niemandsland Richtung Russland. Auf halbem Weg wurde gerade eine Art zwischengrenzliches Monument eingeweiht. Jetzt wussten wir auch, wo all die Diplomaten hin wollten. 20 Kilometer später war sie da, die Tür zu „Putins Reich“. Nach dem Üblichen Prozedere der Passkontrolle, war die peinlich genaue Russische Auto Durchsuchung an der Reihe. Glücklicher Weise schien keiner der Beamten wirklich motiviert gewesen zu sein, unser Auto erneut komplett zu zerlegen. Die Medizinkiste wurde halbherzig durchstöbert und die Ersatzreifenmulde mit einem spärlichen Blick auf Waffen durchsucht. Wir dachten das wars, heute ging schnell. Doch so einfach war es dann trotzdem nicht. Unsere „Customs-Deklaration“ aus Kirgistan schien plötzlich nicht mehr auszureichen und wir mussten gleich mehrere Zettel und Formulare ausfüllen. Nachdem wir sie das erste mal dem Grenzbeamten überreichten, fluchte er in seinem Büro (Baucontainer) und kreiste unsere Fehler ein. Alles noch einmal von vorne. Diesmal waren gleich mehrere LKW-Fahrer vor uns und als wir nach einer Stunde endlich an der Reihe waren, beschloss der Beamte einfach das Fenster zu schließen und Mittag zu machen. Wir mussten uns beim zweiten Schalter anstellen, wo bereits sieben andere Truckies ungeduldig warteten. Es verging fast eine weiter stunde bis wir endlich am Zug waren. Auf den ausgefüllten Zetteln waren ohnehin schon peinlichst genaue Angaben zur Person anzugeben, doch das reichte der Beamtin nicht. Die nette Dame wollte zusätzlich zur genauen Wohnadresse noch die Benutzernamen von Facebook, Instagram und Co. Ob sie das aus persönlichen Gründen wissen wollte, wissen wir bis heute nicht. 

Nach vier einhalb Stunden war die letzte nicht Europäische Einreise endlich geschafft. Nun folgte, was wir immer machen, wenn wir in Russland sind: Non Stop fahren, bis wir das Ziel erreichen. Uns ist klar, dass das größte Land der Welt durchaus schöne Sehenswürdigkeiten und Städte bietet. Dennoch sind wir an einem Punkt der Reise angelangt, an dem wir aus zeitlichen Gründen Abstriche machen müssen. Das erste Ziel hieß Novosibirsk. In der so genannten Hauptstadt Sibiriens soll uns einer unserer neuen Freunde, Taylor vom Team Yak-Attack, verlassen. Er will im Anschluss an die Rally noch eine Weile durch Russland reisen, und möchte damit in Novosibirsk beginnen. Zuerst jedoch dürfen wir die wunderschöne Region Altai in Russland bereisen. Abseits der Straßen erwarteten uns dort Gelb-Orange Laubbäume die sich im angrenzenden Fluss spiegelten. Gleich mehrmals blieben wir stehen um Bilder zu machen. Die Schönheit der Region verging mit der Dunkelheit und aus dem Befahren einer der schönsten Landschaften die wir je gesehen hatten wurde schnell wieder ein Straßenmarathon. Nach circa 1000 Kilometern setzten wir unseren Amerikanischen Freund Taylor um ca. 4:00 Uhr früh in Novosibirsk aus. Danach hieß es weiter Kurs auf Moskau halten. Patrick wechselte von unserem Auto zu Sjur, damit jeweils einer schlafen und einer Fahren kann. Nach Aufgang der Sonne und weiteren 500 Kilometern verloren Gabriel und Simon ihre beiden Freunde auf den Straßen Russlands. Als sie nach wenigen Minuten stillstand aufkreuzten, konnte man sie schon von weitem hören. Eine Schweißnaht am Auspuff war gebrochen und es klang so, als würde ein getunter Subaru ums Eck biegen. Das mussten wir erst mal richten lassen. Gemeinsam fuhren wir durch die Stadt Omsk um bei aller Aufmerksamkeit der Anrainer einen Mechaniker zu finden. Als wir fündig wurden, konnte der Mechaniker gleich zwei Fliegen mit einer Klatsche erschlagen. Neben dem Schweißen des Auspuffes konnte er auch noch eine gebrochene Feder des Norwegischen Toyotas austauschen. Während der Wartezeit auf die Bestellte Feder, konnten wir uns wenige Kilometer entfernt etwas zu Essen sichern. Die Schweißnaht war noch immer warm und das Rad rollte schon wieder. Wir fuhren in die Nacht hinein, es wurde dunkel und richtig kalt. Als es hell wurde, hatte es immer noch minus Grade und es begann zu schneien. Unbeeindruckt vom Wetter und der Tageszeit hielten wir weiter voll auf Moskau. Als wir ca. 1000 Kilometer vor Moskau waren, konnten wir uns das erste mal die ungefähre Ankunftszeit ausrechnen. Es würde circa 4 Uhr früh werden, bis wir in der Hauptstadt ankommen, weshalb wir gemeinsam beschlossen, 420 Kilometer früher in der Stadt Nischni Nowgorod zu nächtigen. So kamen wir nach 60 Stunden, und ungefähr 4000 Kilometer endlich bei unserer Unterkunft an. Nach 11 Tagen war das die erste Dusche, so wie das erste richtige Bett. Weiter konnten wir dadurch die Ankunftszeit in Moskau auf Nachmittag verlegen und ausgeruht den ersten Tag Sightseeing beginnen. 

Die letzten Kilometer nach Moskau: 25’188KM – 25’626KM

Wir waren ausgeschlafen, als der Wecker um 07:00 Uhr klingelte. Frühstück gab es bei der ersten Tankstelle, wie wir es mittlerweile gewohnt waren. Zwei Hotdogs und ein Kaffe um 08:00 Uhr morgens, die Tageszeiten spielen bei uns mittlerweile eine Untergeordnete Rolle. Vor wir uns auf dem Russischen Highway Richtung Moskau begaben, wollten wir noch kurz unsere Reifen wuchten lassen. Durch die schlechten Mongolischen Straßen, hatten wir uns mehrere Dellen in die Stahlfelgen gefahren, was zu Vibrationen und ungleichmäßigem Reifenabrieb führte. Wir erhofften uns eine Hydraulikpresse und eine Maschine zum Wuchten der Reifen. Was wir bekamen, war mehr die Russische Variante davon. Mit Hammer und Brecheisen wurden die Felgen zurecht gebogen. Wuchtmaschiene gab es keine, da am Vormittag kein Strom in der Bude war. Nach dem wiederbefüllen der Reifen, spuckte der Russe gekonnt auf das Ventil, um sicher zu gehen, dass auch wirklich alles dicht ist. Mit einer Zigarette im Mund ließ der Russe das ganze so professionell aussehen, dass wir uns sicher waren, jetzt kann nichts mehr schief gehen. Zumindest der Preis war angemessen. Wenn er auf dem Auto unterzeichnen dürfte, würde das so schon passen, meinte er.

Unterwegs gab es noch eine typische „Tiroler Mardend“ mit Russischer Wurst und Käse. Gut gestärkt, ging es weiter. In kamen wir pünktlich zum Berfufsverkehrschaos an. Es dauerte gut eine Stunde, bis wir unser Hostel erreichten. Wir waren sichtlich ermüdet von den Langen Schichten auf dem Weg hierher. Das führte dazu, dass aus dem geplanten Sightseeing gerade einmal ein kurzer Besuch am roten Platz wurde. Der Rest soll am nächsten Tag folgen, wenn wir ein wenig besser ausgeschlafen sind.

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