Endlich Mongolei: 18’161KM – 19’756KM

Aufbruch in die Mongolei: 18’161KM – 18’693KM

Der offizielle Part der Mongol Rally 2019 war also geschafft, was nun ?!? Der Heimweg stand an. Zunächst fuhren wir noch einmal 160 Kilometer in die „falsche Richtung“, um dem wunderschönen Baikalsee einen Besuch abzustatten. Die Straßen waren sehr gut und ohne dem anderen Team im Schlepptau war die Fahrt fast schon ein Kinderspiel. Dort angekommen staunten wir über die Schönheit der Landschaft und beim Herausblinzeln der Sonne gelangen uns wirklich tolle Aufnahmen. Kurze Zeit später beschlossen wir nicht am See zu Campen, sondern direkt in Richtung Mongolei zu fahren. Nach Einbruch der Dunkelheit hielten wir noch bei einem Russischen Magazin, um unsere Wasservorräte und Snacks aufzustocken. Da wir noch gute 250 Kilometer bis zur Mongolischen Grenze vor uns hatten machten wir Stopp bei einer Bushaltestelle, um unser Lieblingsmenü (Spaghetti), windgeschützt und unter Dach zuzubereiten. Während Patrick Nudelwasser aufsetzte, krabbelten Simon und Gabriel unter das Auto, um die im letzten Blog beschriebenen „Chevrolet-Stelzen“ gegen die Stoßdämpfer vom Panda der Bristangolians zu tauschen. Anschließend verdrückten wir das ausgezeichnete Mahl im Bushäuschen, bevor wir die Fahrt wieder aufnahmen. Gegen 01:30 konnten wir dann wenige Kilometer von der Grenze, bisschen abseits der Straße einen Platz zum Campen finden. Bei klirrenden 0°C errichteten wir in gewohnter Manier uns Basislager und legten uns zur Ruh.

Erneute Grenzstrapazen und die unendliche Baustellenumfahrung: 18’693KM – 18’921KM

Da wir am Vortag bis 01:30 Uhr in der Früh gefahren sind, standen wir leicht verschlafen und dennoch Zeitig um 07:00 Uhr auf. Ein Grenzübergang stand bevor und mit Russland auf einer Seite nicht gerade ein einfacher. Man würde glauben, bei der Ausreise sind die Russen etwas weniger streng, doch dem ist nicht so. Nach gut 3 Kilometern Fahrt fuhren wir durch den ersten Schranken. Wir hatten das Glück, an diesem Tag das erste Auto zu sein. Andere Rallyteams erzählten uns von bis zu 7 Stunden Wartezeit an dieser Grenze. Zunächst kannte sich wie beim letzten mal niemand der Grenzbeamten aus, da wir eine „Customs-Declaration“ aus Kirgisistan mit uns führten. Diese sollte für Russland gültig sein, da es sich bei den STAN-Staaten inklusive Russland um eine Customs-Vereinigung handelt. Witzigerweise weiß davon niemand und wir sollen das ganze dann erklären… Nach 10 minütiger Diskussion schenkte man uns Gottseidank Glauben und akzeptierte das Papier. Der Stempel war noch nicht am Zettel und schon legte der Beamte los, das Auto komplett auseinander zu nehmen. An jeder Verkleidung wurde geklopft, jedes Fach wurde geöffnet und zu unserem Erschrecken machte der Beamte selbstständig das geheime Drohnenfach unter dem Beifahrersitz auf (zu unserem Glück sind Drohnen in Russland erlaubt). Nachdem wirklich alles (und wir meinen wirklich alles) heraus geräumt und durchsucht war, bemerkten die Beamten noch unser Souvenir aus dem Pamir-Gebirge. „No Import to Russia“ meinten sie, gut, dass unsere Motorhaube in Richtung Mongolei zeigte. Noch schnell ein Stempel auf unser Russland Visa und weiter gings auf die Mongolische Seite. 

Dort hieß es als Begrüßung erstmal 2000 Mongolische Tugrik (circa 1€) zu bezahlen, damit die Schranke aufgeht. Bevor es zur Autodurchsuchung ging, mussten wir eine Unterbodenwäsche vornehmen. Hierzu stellen die Mongolen eine riesige Badewanne für Autos zur Verfügung. Die Durchsuchung verlief auf dieser Seite schon etwas Fortschrittlicher. Zuerst glaubten wir, der Beamte will uns auf den Arm nehmen, als er uns nach dem öffnen von gerade einmal zwei Türen das OK gab. Später wussten wir warum. Gabriel musste mit dem Auto durch einen Scanner fahren, der einem übergroßen Röntgenapparates eines Österreichischen Krankenhauses zumindest optisch in nichts nachstand. Auch wenn wir nichts illegales dabei hatten, wird man jedes mal ein wenig nervös. Anschließend liefen wir durch das Grenzgebäude, um mehrere Stempel auf unserem Laufzettel (abgerissener A4 Zettel) zu sammeln. Schlussendlich hatten wir in jedem Kästchen einen Stempel, auch wenn wir von keinem Wissen wofür wir ihn bekommen haben. Das war uns in diesem Moment aber auch egal, da wir nur auf schnellsten in die Mongolei wollten. Nach zweieinhalb Stunden war das ganze Spektakel vorbei und wir machten uns hinter die Autoversicherung. Auch das war schnell erledigt und durch das frühe Erscheinen am Morgen waren wir wohl um einiges schneller als andere. 

Auf Empfehlung unseres Sibirischen Freundes Samyon, steuerten wir die erste größere Stadt Darchan an. Dort soll es eine Mongolische Spezialität geben, welche uns zu Mittag gerade recht gekommen wäre. Leider hatte dieser Laden geschlossen und wir machten uns mit hungrigen Mägen auf die Suche nach einem Supermarkt. Gestärkt wollten wir an diesem Tag noch die Hauptstadt der Mongolei, Ulan Bator, erreichen. Doch wie so auf dieser Reise, machten uns die Straßen einen Strich durch die Rechnung. Die Hauptstraße wird umgebaut und war somit gesperrt. Wir folgten den Schildern mit der Aufschrift Ulan Bator und schon bald fanden wir uns auf Erdwegen, welche Labyrinthartig durch die Mongolische Einöde führten (siehe Bild). Schon ganz bald konnten wir die Aufschrift Ulan Bator nicht mehr finden und die Irrfahrt begann. Nach guten 2 Stunden Erdwegen fanden wir uns vor der selben Zementfabrik wieder, an der die Umleitung begann. Eine weitere Stunde fuhren wir zurück ins Gemüse, doch die Schilder Richtung Ulan Bator waren unauffindbar. Wir holten uns Hilfe von einem einheimischen LKW-Fahrer, dieser wies uns den Weg in die Hauptstadt. Im Nachhinein fanden wir heraus, dass auf den Schildern das Wort „Umleitung“ auf Mongolisch geschrieben stand… wir dachten es wäre ein anderer Ort. Diese Irrfahrt hat uns soviel Zeit gekostet, dass es kurze Zeit darauf, nach weiteren 50 Kilometern Baustellenumfahrung dunkel wurde. Wir schlugen leicht verzweifelt abseits der Straße, zwischen zwei Jurten unser Zelt auf. Am nächsten Morgen nahmen wir uns vor, bei Sonnenaufgang aufzubrechen, um nicht wieder in die Dunkelheit zu geraten.

Schöpfer des Mongolischen Reiches: 18’921KM – 19’471KM

Wie geplant brachen wir mit aufgehen der Sonne auf. Die Straße (=Baustellenumleitung) blieben vorerst in erschreckend schlechtem Zustand. Die Tatsache, dass diese Straße die einzige Verbindung der Hauptstadt in den Norden war, lies uns darauf hoffen, dass der Zustand der Straßen bald besser werden musste. Doch dem war nicht so… den ganzen Tag lang kämpften wir uns mit 25 km/h Richtung Süden. Bei geschlossenen Fenstern war es unerträglich heiß im Auto, bei offenen Fenster jedoch erstickten wir an der Staubwolke, welche die LKWs aufwirbelten. Erst 10 Stunden und 200 Kilometer Schlaglochslalom spöter konnten wir die Hauptstadt erleichtert erreichen. Der Plan war, mit Einbruch der Dunkelheit die 40 Meter Hohe Statue des Gründers der Mongolei (Chingis Khan) zu erreichen. Wir waren mittlerweile 500 Kilometer in der Mongolei gefahren und 400 Kilometer davon waren Baustellenumfahrungen. Bei der Zielparty sagten uns andere Teams, sollten wir die Hauptstadt erreichen, geht es mit den Straßen bergauf. Voll motiviert starteten wir die letzten 50 Kilometer dieses Tages in den Osten, um unser Basislager neben der Statue aufzubauen. Diese Motivation verging uns sehr schnell, als wir nach dem Verlassen der Stadt wieder dieses Umleitungsschild sahen. Man stelle sich nun diese beschrieben Erdstraßen bei Nacht, labyrinthartig durch die Steppe verlaufend und ohne Sicht vor. Von allen Seiten kamen uns Autos und Trucks entgegen und wir wussten schnell nicht mehr, wo vorne und hinten ist. Mit den Einheimischen konnten wir nicht mithalten, da wir in einer Tour mit unserem Unterboden aufsetzten.  Gerade mal 5 Kilometer vor erreichen des Ziels fuhren wir wieder auf befestigten Straßen und konnten somit die Statue um 23 Uhr erblicken. 

Da am gesamten Komplex (1000x1000m) Flugverbot für Drohnen gilt, beschlossen wir trotz vorherrschender Müdigkeit bei Sonnenaufgang aufzustehen um eine Aufnahme mit der Drohne zu wagen. Der Plan ging auf, wir konnten die Drohne aus einer Entfernung von über einem Kilometer rund um die Statue kreisen lassen. Bei klirrenden 5°C noch ein schneller Kaffee und weiter gehts. Als unschuldige Touristen getarnt wollten wir uns am Weg zurück in die Hauptstadt noch die Statue von innen ansehen, leider war der Komplex zu dieser Tageszeit noch geschlossen. Bei dieser Kälte zu warten war uns dann doch zu mühsam und somit brachen wir sofort auf. Die besagte Baustellenumfahrt zurück und dann direkt rein in den Berufsverkehr der Hauptstadt. Bis wir das andere Ende der Stadt erreichen konnten vergingen Stunden und es wurde Mittag. Noch ein schneller Einkauf und Picknick am Parkplatz eines Supermarktes und endlich brachen wir Richtung Westen auf. Ganz ungewohnt konnten wir plötzlich so schnell fahren, wie es die Geschwindigkeitsbegrenzung zuließ (vielleicht auch den ein oder km/h schneller). Wie von unseren Rallyfreunden besagt, waren die Straßen wirklich um einiges besser geworden. Schon ganz schnell nach dem verlassen der Stadt konnten wir die unendlichen Weiten der Mongolei links und rechts der Straßen erkennen. Wilde Pferde, riesige Ziegen- und Schafherden und ab und zu eine Jurte begleiteten uns bis wir heute einmal etwas früher Schluss machten. Zum ersten mal seit Beginn der Rally konnten wir unser Lager aufschlagen, Essen zubereiten, abspülen und bei Sonnenuntergang noch ein wenig die Aussicht genießen bevor es dunkel wurde. Wir parkten unser Auto auf einer Anhöhe, von welcher aus wir eine unglaubliche Aussicht auf die Hochebenen der Mongolei hatten.

Über Sanddünen und buddhistische Tempel: 19’471KM – 19’756KM

Das Aufstehen um 6:40 hat sich mit diesem Sonnenaufgang auf alle Fälle gelohnt! Zudem wird es, sobald die Sonne draußen ist, von Minute zu Minute wärmer. Nach gepflogenem Frühstück mit Rührei, Brot und Kaffe ging es auch schon wieder auf die Straßen. Wir fuhren rund 70km in Richtung Westen, als wir „Elsen Tasatkhai“, die nördliche Verlängerung der Wüste Gobi, erreichen. Kaum die Straße verlassen, geschah es auch schon. Wir gruben uns erstmal bis zum kompletten Aufsetzten des Autos in den Sand ein. Nach mehrmaligem säufzen und fluchen konnte es uns mit vereinten Kräften gelingen, unser Auto aus dem Sand zu befreien. Leicht erschöpft rollten wir weiter in die Wüste und stellten das Auto seitlich ab, bevor wir die Sanddünen zu fuß bestiegen. Nach einigen Schnappschüssen und Dronenshots (es wird übrigens auch ein Aftermovie geben, also bleibt auch nach der Rally auf dem laufenden mit unserem Blog), beschlossen wir, unter der sonnigen Hitze, wieder zurück zum Auto zu waten. Als wir uns auf den Weg machten, begegneten uns gleich mehrere Kamele, welche von unserer Anwesenheit relativ unbeeindruckt waren. Als nächsten Ziel stand ein 80km entferntes buddhistisches Kloster am Programm. Dort wanderten wir ca. 1 Stunde durch den um 1610 erbauten Tempel. Am kleinen Markt vor den Toren des Tempels kahmen wir anschließend nicht um ein mongolisches Mittagessen herum. Auch wenn wir dachten unsere Zeichensprache sei eindeutig bekamen wir aus irgendeinem Grund statt 3, 3×3 also 9 der bekannten Teigwaren „Buuz“. Kaum begannen wir diese zu verschlingen, kam auch schon die übergroße Portion Reis und das mongolische „Geschnetzelte“. Mit unseren übervollen Mägen taumelten wir zurück zum Auto, wo uns noch ein mongolischer Radiosprecher erläuterte wie toll er unser Auto findet. Die 80km zum Tempel mussten wir leider wieder zurück fahren, da dieser nicht auf unserer geplanten Strecke entlang der Südroute durch die Mongolei lag. Nach weiteren 2 Stunden Fahrt, bogen wir einfach links ab und fuhren unser auto ca. 5 Minuten gerade durchs Gemüse, um es auf einer Anhöhe zu parken. Mit einem weiteren tollen Ausblick wurde noch eine Runde Frisbee gespielt und anschließend gekocht.



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