Im Schlepptau durch Sibirien und ins Ziel: 14’744KM – 18’161KM

Transsibirischer „Hängerzug“: 14’744KM – 18,150KM

Mit unserem Japanisch- Italienischen Gespann passierten wir die erste Schranke auf Kasachischer Seite. Bereits bei der Passkontrolle wurden uns sehr komische Fragen gestellt. Wir glaubten weiter fahren zu dürfen, doch da war noch die Durchsuchung der Autos. Alle Türen auf und ein Hund versuchte Drogen oder Sprengstoff zu erschnüffeln. Gottseidank erfolglos. Im Innenraum studierte ein Beamter jedes noch so kleine Behältniss und wollte dabei von uns wissen was das ist. Auch die Dachbox musste leer geräumt werden. Beim Ausräumen des Rücksitzes entdeckte er als erster Beamter, dass da unter dem Beifahrersitz irgend ein Fach sein musste. Wir versuchten uns dumm zu stellen und schoben den Sitz einfach einige male vor und zurück, doch es nutzte nichts, er roch die Lunte. Die Drohne interessierte ihn dabei überhaupt nicht, lediglich die Redbull-Shots warfen die üblichen Fragen auf. Zum Schluss wollte er bei unseren Freunden im Panda hinten noch wissen ob es sich bei dem Sand in ihrem Handschuhfach um Kokain handelte. Mit Hilfe von Google-Übersetzer konnte auch dieses Mysterium geklärt werden. Weiter gehts nach Russland. Erst mal Migrationsschein ausfüllen. Aus irgend einem Grund versuchen alle Asiatischen Länder bei diesem Papier zu sparen und so braucht man fast schon eine Lupe um all die Fragen auf dem kleinen Weißen Zettel im Scheckkartenformat zu beantworten. Anschließend durften wir in einem beheizten Raum unsere Pässe Stempeln lassen, während ein Soldat mit einem kleinen Spiegel an einem Selfiestick unser Auto untersuchte. Während Simon und Patrick noch bei der Passkontrolle waren, durfte Gabriel mit einem der Bristangolians einem Beamten in sein Büro folgen. Dort wurden ihm Fragen auf Deutsch gestellt. Die genaue Route mit Städten (Gabriel hatte natürlich keine Ahnung wie diese alle heißen), wann wie und wo geschlafen wird, und der Klassiker: Was denkt ihr von Russland. Euphorisch erklärte ihm Gabriel, dass wir uns seit Monaten wie kleine Kinder auf die Einreise in das wohl beste Land der Welt freuen *hust*. Das war anscheinend die Richtige Antwort, da Gabriel dann zurück zum Auto durfte. Dort wurde erneut alles peinlichst genau Untersucht und sogar die Holzkiste musste aus dem Kofferraum ausgebaut werden. Auch die Ersatzreifenmulde wurde nicht zum Schmuggeln illegaler Substanzen verwendet und somit hatten wir grünes Licht. Nach der Letzten Schranke noch schnell Geld wechseln und weiter ging die wilde Fahrt. 

Um 4:00 Uhr früh konnte man auf der Rückbank im Halbschlaf ein seltsames Quietschen hören. Nach dem dritten Stopp für Tanken und Freilandurinieren konnten wir den Übeltäter finden. Es war die Schraube des hinteren Rechten Stoßdämpfers, welche sich durch das ständige Anstehen des zu langen Chevrolet-Bauteils, lockerte. Gut, dass unser Werkzeugkoffer immer griffbereit war. Für Sightseeing blieb uns nicht viel Zeit. Um die letzte Finish-Line Party rechtzeitig erreichen zu können mussten wir die rund 3000 Kilometer (Das entspricht ungefähr der Strecke Berlin-Lissabon) und 3 Zeitzonen so schnell es möglich war durchqueren. Durchfahren war angesagt. 2000 km und ca. 51 Stunden Nonstop, nachdem wir unsere Freunde angekuppelt hatten, bemerkten wir, dass irgendwas mit dem Anschlagpunkt, an dem die Abschleppstange befestigt war, nicht passt. Nach einem kurzen Blick unter das Heck des Autos mussten wir kurz schlucken. Durch das ständige beschleunigen und bremsen drohte der Anschlagpunkt sammt Grube des Ersatzreifens auszureissen. Das Blech war bereits an mehreren Stellen eingerissen. Es wurde bereits dunkel, dennoch mussten wir jemanden finden, der das schweißen kann. Zum Glück wurden wir im nächsten Dorf, das 70 km entfernt war, fündig. Zwei Stunden Sibirische Schlosserkunst mit Taschenlampe später, schien alles wieder dran zu sein. Während Gabriel den Russen für sein ziemlich hässliches Handwerk bezahlte, lernte Simon einen weiteren Russen, namens Samyon, kennen, der gerade mit seinem Pickup von einer Reise aus Europa zurück kam. Dieser bot uns seine Hilfe an und wir beschlossen weitere 10 Stunden in die Nacht hinein zu fahren, um die Stadt Irkutsk, welche seine Heimat war, zu erreichen. Am weg dahin drohte unser Traum erneut zu platzen. Beim Überqueren von Eisenbahnschienen löste sich der Hacken vom Anschlagpunkt. Der Panda blieb dabei genau auf den Schienen liegen. Nach einer Sekunde der Schockstarre liefen wir barfuß zurück und schoben den Panda von Hand aus der Gefahrenzone. Beim Blick unter das Heck konnten wir unseren Augen nicht trauen, es schien alles noch ganz zu sein. Wir können uns einfach nicht erklären, wie sich der Hacken lösen konnte, ohne etwas kaputt zu machen. Dafür hatten wir auch keine Zeit, also fuhren wir weiter. In Irkutsk angekommen, konnten wir uns im alten Appartement von Samyon nach insgesamt 67 Stunden, davon etwa 61 als unzulässiger Hängerzug, erstmal ausruhen. Wir ergatterten 12 Stunden Schlaf und endlich eine warme Mahlzeit. Um das Ziel am 14. September vor der Party erreichen zu können, machten wir uns bereits um 4 Uhr früh wieder auf den Weg. Eine Letzte Schicht und das Ziel war zum greifen nah. 

Im russischen Stil über die Ziellinie: 18’150KM – 18’161KM

18’150 KM – 18’161 KM: IM RUSSISCHEN STIL ÜBER DIE ZIELLINE

30 km vor Ulan Ude schmissen wir uns noch schnell in unser russisches Volkskostüm und dann war es endlich so weit. Unglaublich aber Wahr. Gegen 17:00 Uhr, pünktlich zur Prime-Time der Finish-Line trudelten wir am Vorplatz der Zielrampe ein. Durch das Geheul unseres Hornes wussten die anderen Teams sofort wer da gerade ankommt. Wir kannten die meisten Teams persönlich und sie wussten was wir da hinter uns hatten. Über Social Media verfolgten die meisten von ihnen die letzten 4 Tage und gaben uns immer wieder Motivation für diese hirnrissige Fahrt. Nach unzähligen Umarmungen und Freudentränen war der letzte Schritt der Rally angesagt. Das Auto muss auf die viel zu steile Zielrampe. Mit unserem Abschleppkommando war das nicht möglich, da wir dabei wahrscheinlich unsere Verkleidung am Heck sammt allen Lichtern verloren hätten. Doch der Mechaniker aus Kasachstan, der elf Tage lang versuchte den Panda wiederzubeleben gab uns Hoffnung. Trotz der zerrissenen Pleuelstange, und fehlenden teilen glaubte er, dass der Motor, auch ohne Öl mit den übrigen drei Zylindern, für ca. 30 Sekunden laufen könnte. Wir ladeten die Batterie und nach einer vollen Minute anstarten geschah das unfassbare, der Motor heulte auf. Frankenstein lebte! Wir rissen die Starterkabel von der Batterie und mit Vollgas, ohne Rücksicht auf Verluste, fuhren unsere Freunde auf die Rampe. Seit sechs Jahren Träumte Edouard, der Luxemburger, davon die Rally zu schaffen. Mit der wohl längsten Abschleppdistanz in der Geschichte der Mongolrally konnten wir den zwei Briten und dem wahrscheinlich ersten Luxemburger, der jemals die Rally vollendete, helfen, das Ziel zu erreichen und die Mongolrally offiziell zu beenden. Wir stellten unseren Voyage zu ihnen auf die Rampe und machten ein gemeinsames Abschlussfoto. 

Es war vollbracht. Der offizielle Teil der Rally war geschafft. Bei den anschließenden Feierlichkeiten mit Feuershow und Mongolischen Bands wurden wir offiziell zu Rally-Veteranen erklärt. Die restliche Nacht wurde feucht-fröhlich mit den anderen Teams, welche teilweise Tagelang auf die letzte Party warteten, gefeiert und dabei gelacht. Obwohl wir bereits einen langen tag hinter uns hatten, waren wir wie üblich die letzten, die die Party verließen und so trudelten wir nach 26 Stunden ohne Schlaf, bei Sonnenaufgang in unserem Hostel ein.

Am Nächsten „Morgen“ (es war 16:00 Uhr als wir es aus den Federn schafften) zogen wir den Panda ein letztes mal zur Finishline. Dort soll ihn ein anderes Team mit auf den Friedhof, auf dem alle anderen Rallyautos auf ihre Verladung warteten, schleppen. Kurz vor wir uns von unserem Anhänger verabschiedeten, bauten wir noch seine Stoßdämpfer aus, da diese vielleicht in unseren Voyage passen könnten (unsere Chevrolet-Stelzen waren ja zu lange). Vom Bahnhof in Ulan Ude soll der Panda seine Letzte Reise zurück nach Europa antreten. Dort wird er in Estland ankommen und kurz darauf verschrottet werden. Abends treffen sich alle, die noch da waren ein letztes mal in einem Englischen Pub und so konnten wir uns bei einem weiteren Bier von unseren Weggefährten der letzten zwei Monate verabschieden.

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