Von neuen Federn zu neuen Aufgaben für unseren Voyage: 14’350KM – 15’337KM

LETZTE HÜRDE VOR DER HOCHZEIT: 14’350KM – 14’574KM

Trotz klirrenden 5°C und Nieselregen hielt uns nichts und niemand davon ab, etwas früher aufzustehen. Der Mechaniker mit dem wir uns um 9:00 Uhr treffen sollen war ein 2,05 m großer Kasache, mit Militäroutfit und Springerstiefeln bis zu den Knien. Da ist man gerne mal 10 Minuten früher vor Ort. Seit Wochen gab es zum ersten mal wieder ein selbstgemachtes Frühstück. Es wurde Rührei alla Patrick mit Tomaten, Paprika und Zwiebeln serviert. Das nasse Zelt in einem Müllsack verstaut und auf zum Mechaniker. Dort angekommen, war bereits eine Hebebühne in einer dunklen Halle für uns vorbereitet. Wir parkten unser Auto darauf und los ging die Pfuscherei. Die rechte Feder war einmal, die linke Feder sogar zweimal gebrochen, das konnten sogar wir als Laien sofort feststellen. Die Federbälge, welche in Usbekistan eingebaut wurden, waren ebenfalls komplett im Eimer. Unser Mechaniker verschwand für ein paar Minuten, als er zurückkam, trauten wir unseren Augen nicht. Er hatte Federn, welche mindestens 10 cm länger und doppelt so stark im Durchmesser waren. Er verstand wohl auch ohne Übersetzer, wofür die Federbälge gut waren (unser Auto ist einfach heillos überladen). Zu zweit hatten sie gut 30 Minuten Arbeit, die eigentlich viel zu langen Federn irgendwie zwischen Achse und Chassis zu pressen, doch irgendwie klappte es. Das nächste Problem folgte sogleich, die originalen Stoßdämpfer sind viel zu kurz für diese Federn, weshalb auch diese getauscht werden müssen. Kein Problem, die Stoßdämpfer eines Chevrolet SUV sollten passen. Weitere 30 Minuten vergingen bis das Auto von der Hebebühne gesenkt wurde. Das Heck war höher als je zuvor. Wie mit unserem Mechaniker zu Hause besprochen, wollten wir auf jeden Fall auf Halber Strecke einen Ölwechsel durchführen. Da wir eh schon beim Mechaniker waren, kombinierten wir das sofort und machten uns auf die Suche nach frischem Motoröl. Nachdem auch der Ölwechsel vollzogen war, rollten wir rund 4 Stunden später frisch serviciert aus der dunklen Halle. In grellem Tageslicht strahlt nun ein Suzuki Wagon R+ (die Offroad-Edition), mit Chevrolet Stoßdämpfern und Federn aus dem Hause Lada. Auch wenn wir wissen, dass diese Lösung in Europa (aus gutem Grund) niemals eine Straßenzulassung bekommen würde, waren wir einfach nur glücklich, dass die Kutsche wieder rollt. Mit Hochgestelltem Heck und frischem Motoröl fuhren wir nun endlich auf super Straßen (besser als Zuhause gewohnt) in Richtung Astana. Dort angekommen checkten wir in das gebuchte Hostel ein. Anschließend erkundeten wir die Umgebung mit unserm Auto bevor wir in einem Restaurant ein letztes mal (vorerst zumindest) gemeinsam zu Abend essen. 

HOCHZEIT IN TIROL UND URLAUB IN ASTANA: 14’574KM – 14’744KM

Als um 0400 unser Wecker klingelte, verstauten wir ein wenig verwirrt unser Gepäck im Auto und machten uns auf den Weg in Richtung Flughafen. Dort angekommen realisierten wir, dass wir den wohl wichtigsten Meilenstein unserer Reise geschafft haben. Nach dem Check In von Simon und Patrick verabschiedeten wir uns  und die beiden traten ihre weite Heimreise an. Gabriel verbrachte rund zwei Stunden am Flughafen, bevor er seinen Bruder, welcher aus Düsseldorf zu Besuch kam, begrüßen konnte. Während sich Simon und Patrick bereits auf dem Weg Richtung Moskau befanden, erkundeten Gabriel und sein Bruder Raphael die Hauptstadt Kasachstans (das Las Vegas des Ostens). 

Hier verbrachten die zwei die nächsten 4 Tage, während Simon und Patrick zuhause mit der Familie die Hochzeit der großen Schwester ausgiebig feierten. Am Sonntag nach der Hochzeit verliesen Simon und Patrick mit leichten Kopfschmerzen (wir vermuten vom Jetlag) ihre Heimat Tirol um den weiten Weg retour nach Kasachstan anzutreten. Nach gut 20 Stunden und zwei Flügen später, gab es endlich das Wiedersehen in Astana. Nach dem Check In im Hotel, machten wir uns erneut auf den Weg in das Zentrum, um die Wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Nach dem Abendessen stießen wir noch bei einem Russischen Bier auf unsere Wiedervereinigung an. Über Social Media erfuhren wir von einem uns bekannten Rallyteam aus England, dass diese seit 11 Tagen in Kasachstan vergeblich nach einem Fiat Motorblock suchten. Die Lage für sie schien Aussichtslos, sie würden die Rally wohl so kurz vor dem Ziel abbrechen müssen. Es sei denn… wir würden unseren Traum der letzten Finishline Party an den Nagel hängen, um den Traum der anderen, ihr Auto über die Ziellinie zu bringen gemeinsam zu erfüllen. Nach einem kurzen Videotelefonat im Hotel, beschlossen wir uns mit den anderen in Pavlodar, rund 450 km östlich, zu treffen um einen gemeinsam Plan zu schmieden.

DER BEGINN UNSERER SCHLEPPERKARRIERE: 14’744KM – 15’337KM

Der Jetlag gerade einmal halb ausgeschlafen, da hilft nur eins, ein ausgewogenes Frühstück im Hotel. Nach Spiegelei, Würstchen und Toast mit Salat hieß es erstmals wieder Auto aufladen. Nachdem wir uns von Gabriels Bruder Verabschiedeten (Danke für die seelische Unterstüzung, er war ein würdiger Vertreter für das restliche Team), ging es gegen 11 Uhr auch schon wieder los, in Richtung Russische Grenze. Bis Pavlodar waren es rund 440km welche wir aufgrund ausgezeichneten Kasachischen Straßen in gut 5 Stunden meistern konnten. Als wir am vereinbarten Standort (Mechaniker bei welchem das Team schon seit 11 Tagen festhing) eintrafen, flippten diese komplett aus uns zu sehen. Sie sprangen auf ihr Auto, tanzten in der Einfahrt herum und konnten es einfach nicht glauben, dass wir ihrem Traum, das Ziel zu erreichen, nochmal Hoffnung schenkten. Bevor wir Ihnen die hoffnungsvolle Nachricht am Vorabend sendeten, hatten sie sich bereits nach Flügen umgesehen, um das Land nach bezahlen hoher Einfuhrgebühren und verschrotten des Autos verlassen zu können. Der Plan war folgender: Mit Hilfe einer Abschleppstange wollen wir versuchen das Team samt Auto rund 3000km quer durch Sibirien zu schleppen. So könnten sie die Ziellinie der Mongolrally in Ulan-Ude erreichen und das Auto ohne hohe Kosten zurück nach Europa transportieren. Jeder der weiß, was das für unseren Voyage bedeutet, wird glauben wir seien komplett übergeschnappt. Uns ist klar, dass das nach dem Start bei der Rally wahrscheinlich die dümmste Idee ist die wir je hatten. Nur jemand der selber einmal Teil dieser Rally war wird verstehen wie man auch nur ansatzweise daran glauben kann, dass das funktionieren könnte. Das gemeinsame Ziel die Rally zu beenden, schweißt selbst unbekannte Teams zusammen und lässt unmögliche Dinge (hoffentlich) möglich werden.

Wir kuppelten den komplett ausgeschlachteten Fiat Panda an unser Heck und machten uns gegen 17:00 Uhr auf in Richtung Russische Grenze. Nachdem plötzlich Starkregen eintrat und wir nach wenigen Minuten ein unangenehmes zurren an unserer Hinterachse bemerkten, hielten wir sofort an. Es war Team Bristangolia, das nach mehrfachem Betätigen der Bremse uns zum anhalten bringen wollte. Deren Fahrer war es nicht mehr möglich etwas zu sehen, nachdem eine 3mm dicke Schlammschicht ihre Windschutzscheibe bedeckte. Die Lösung war ebenso einfach wie bescheuert. Wir hatten noch ein schneeweises Handtuch übrig, welches wir als Spritzschutz hinter unsere Reifen klemmten. Gleich darauf konnten wir die Fahrt wieder aufnehmen. 

Auf der Grenze erwartete uns eine böse Überraschung. Unter Anderem wurde zum ersten mal unser geheimes Drohnenfach von einem Kasachischen Grenzsoldaten entdeckt. Mehr dazu jedoch im nächsten Blog.

Ein Kommentar zu “Von neuen Federn zu neuen Aufgaben für unseren Voyage: 14’350KM – 15’337KM

  1. Sensationell was es da machts!! Gfrei mi immer auf die neuen Berichte!! Super Leistung mit eurem Abschleppdienst! Alles Gute für die letzten Kilometer!!

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