Der Pamir lässt keinen kalt: 12’338KM – 14’350KM

Die erste Reifenpanne und das Iranische Suppenmysterium: 12’338 – 13’066KM

Seit 5 Tagen die erste Nacht auf unter 3000 Metern. Gut ausgeschlafen und geduscht, war denn noch keine Zeit um Rast zu machen. Im Visier lag die Kirgisische Hauptstadt Bishkek. Zunächst mussten jedoch ein paar Optische Upgrades am Auto gemacht werden und Vorräte eingekauft werden. Endlich auf den Straßen angekommen waren die Bedingungen eher schwierig, da wir mehr Baustellenumfahrungen im Schotter als asphaltierte Straßen zu Gesicht bekamen. Beim Fahrerwechsel kurz vor einer weiteren Baustelle entdeckten wir, dass der rechte vordere Reifen platt war. Hinter uns liegen 1500km auf Höhenstraßen und die wohl schlechtesten Bedingungen die wir bei der Rally wohl vorfinden werden und der erste platte Reifen passiert auf einer Kirgisischen Baustelle. Nicht lange rumgefackelt und der alte Sommerreifen war auf Achse. Noch kurz den Reifendruck bei allen vier Reifen geprüft und schon ging es weiter. Zurück auf der Straße beschlossen wir unser Zelt heute einmal etwas früher aufzuschlagen. Es war von der letzten Nacht am Pamir auf über 3700m völlig durchnässt und musste trocknen. Zum Abendessen gab es heute eine Fertigsuppe, welche wir im Iran gekauft haben. Die Gebrauchsanweisung kam uns zunächst etwas komisch vor, dennoch vertrauten wir voll auf die in schlechtem Englisch abgedruckte Beschreibung. 10-15 Minuten sieden lassen, kurz aufkochen lassen, den Beutelinhalt ins kalte Wasser einrühren. WAS?! Da war doch was… In Persien wird ja von rechts nach links gelesen. Blöd nur, dass unser Wasser schon kochte. Das wird schon dachten wir uns und fertig war die teeartige Nudelsuppe. Da sie auch etwas wie im Wasser verdünntes Spülmittel schmeckte (wir aßen sie natürlich trotzdem), haben wir auch gleich die Schwammerlsuppe aufgerissen. Diesmal machten wir alles richtig und sie schmeckte auch wirklich gut.

Kasachischer Grenzwahnsinn: 13’066KM – 13’310KM

Gestern früh ins Bett, also heute früh auf! Bereits um 0700 konnten wir wieder die Straßen von Kirgisistan in Richtung Bishkek befahren. Unerwartet ging es hoch hinaus. Gleich mehrere Male über 3000m Pässe auf ewig weiten Hochebenen durchzogen von Jurtendörfern und Pferden. In Bishkek angekommen bezogen wir zunächst unser Hostel. Hier reservierten wir uns drei Betten im gemischten Schlafsaal, welcher drei Betten beinhaltete. Quasi ein günstiges Einzelzimmer. Wir zogen los um die Kirgisische Esskultur zu erkunden. Um anschließend auch noch das Nachtleben in Bishkek zu erkunden, musste jedoch zuerst noch etwas Geld her, da wir wie immer zu wenig gewechselt haben. Trotz der Aufschrift VISA, gelang es uns erst beim fünften Bankautomaten etwas Geld von unserer Kreditkarte abzuheben. Der Abend war gerettet und wir konnten uns durch die verschiedenen Bars und Clubs schwingen.

Leicht verkaterte Stimmung am nächsten Tag. Wir geben an dieser Stelle einfach der Qualität des Kirgisischen Alkohols anstatt der konsumierten Menge die Schuld. Halb so wild, dass wir etwas länger schliefen, da wir heute nur 250 km am Plan hatten. Wir wollten die ehemalige Hauptstadt Kasachstans, Almaty, erreichen. Folglich stand auch die Kasachische Grenze am Programm. Diese war gerade einmal 20 Kilometer vom Stadtzentrum Bischkeks entfernt. An der Grenze angekommen, ging es wie gewohnt drunter und drüber. Einheimische waren mit Gepäck ausgestattet, als würden sie übersiedeln. Anscheinend waren Badewannen und Gartenzäune in Kirgistan wesentlich günstiger, weshalb auch diese mitgeführt wurden. Patrick und Simon, die beiden Passagiere, mischten sich unter das Fußvolk, während Gabriel gemeinsam mit Reisebuschauffeuren und LKW-Fahrern auf die Kontrollstellen zusteuerte. Die Ausreise aus Kirgistan war unkompliziert. Lediglich eine Passkontrolle und die gewohnten Fragen, ob Drogen oder Waffen im Fahrzeug mitgeführt werden. Umso knackiger war die Kasachische Einreise (hatten wir so garnicht am Schirm, wir dachten alle schwierigen Grenzen hinter uns zu haben). Nach dem Ausfüllen des üblichen Papierkrams, Passkontrolle, Imigrationsbescheinigung sowie die Papiere für die Einfuhr des Autos dachte Gabriel es sei geschafft. Doch dem war nicht so. Zehn Meter vor dem Grenztor bekam er von einem bewaffneten Soldaten die Anweisung: „Go left, Carscanning“.
Auf einem riesigen Schotterparkplatz warteten bereits mehrere Duzend Autos darauf gescannt zu werden, darunter auch einige andere Rallyteams. 

Während dessen befanden sich Patrick und Simon in einer ewig langen Schlange vor der Passanger Hall. Mehrere hundert Kirgisen und Kasachen versuchten sich mit Drängen und Rempeln einen Vorteil zu verschaffen. Gleichzeitig stolperte man über all das Gepäck, das sie mit sich zogen. Eine ältere Frau, welche zwei Koffer und 4 Taschen mit sich trug, bat uns um unsere Hilfe. Zu dritt war er gerade noch möglich ihre ganzen Sachen zu transportieren. Weiter vorne in der Schlange machte sich Geschrei breit. Die Schlange endete in einem Trichter ähnlichen Zaun, perfekt für eine Massenpanik eben. Bei 38°C roch es nach schwitzenden Zentralasiaten, gemischt mit ein paar Europäischen Schweißfüßen. Die Lage schien aussichtslos, doch die ältere Dame konnte es irgendwie schaffen, uns schneller als alle Anderen in die Passanger Hall zu schwindeln. Nachdem wir, nach rund einer Stunde, bei einem der Drei von Zehn geöffneten Schaltern unseren Einreisestempel ergatterten, dachten wir heute würde Gabriel mit dem Auto wohl schneller sein als wir. Zeitgleich riss beim Autoscanner das Transportband. Erstmal Stillstand für eine Weile. Drei Soldaten versuchten mit ihren Kalaschnikovs das Förderband zu reparieren, ohne Erfolg natürlich. Irgendwann gelang es doch irgendwie und nach zweieinhalb Stunden war es so weit, unser Voyage rollte durch den Scanner, während Gabriel sein letztes sauberes T-Shirt vollschwitzte. Er war sich nicht sicher ob Drohnen in Kasachstan erlaubt waren. Diese interessierte Gott sei Dank niemanden und Gabriel musste auf einen leeren Zettel die Worte „NO PROBLEM“ und seine Unterschrift setzen. Nach guten drei Stunden trafen sich die drei Freunde auf der Kasachischen Seite wieder. 200 Kilometer Baustelle und Schleifpapier-Asphalt später wurde die gebuchte Unterkunft erreicht.

Von der ehemaligen Hauptstadt in die Prärie von Kasachstan: 13’310KM – 13’929KM

Erneut konnten wir bis Mittag ausschlafen und dennoch waren alle Müde. Die letzten Tage im Pamir hatten ihre Spuren hinterlassen. Ein gemütlicher Tag in einem der vielen Parks in Almaty sowie ein wenig Sightseeing stand an. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit parkten wir unser Auto am Kok-Tobe, einem der Höchsten Punkte über der Skyline Almatys. Wir genossen den Sonnenuntergang über der Stadt und knipsten ein paar Fotos. Danach begaben wir uns auf die Suche nach Abendessen. Almaty war die erste westliche Stadt seit Istanbul und so beschlossen wir auf Wunsch von Patrick heute einmal Sushi anstatt lokale Spezialitäten zu essen. Später trafen wir ander Rallyteams aus Neuseeland und Israel in einer Bar. Für zwei von drei (die Namen werden aus Datenschutzrechtlichen Gründen nicht genannt) eskalierte die Nacht erneut während der dritte wie ein Baby im Hostel schlief. Er schlief so tief, dass er es nicht schaffte, wie besprochen die Hosteltüre nach Sperrstunde zu öffnen. So fürchteten die anderen, sie müssen die Nacht wohl im freien verbringen… und wenn sie nicht eingelassen wurden, dann liegen sie dort noch Heute…

Irgendwie gelang es den beiden doch noch hinein zu kommen und somit erwachte das Trio gemeinsam in einem Zimmer. Vor es los ging wurde noch schnell ein Versorungseinkauf getätigt und etwas zu Essen gesucht. Aus unerklärlichen Gründen musste das sonst so fixe Rad heute das erste mal gebrochen werden und Gabriel, der eigentlich garnicht an der Reihe war, begann die Fahrt in Richtung Astana. Gut dass wir genug Zeit eingeplant hatten um in die Kasachische Hauptstadt zu kommen, da die Straßen wie gewohnt besch…eiden waren. Die Landschaft änderte sich nach Verlassen der Stadt schnell in eine unendlich weit erscheinende Steppe. Alles was man sehen konnte war eine ewig geradeaus verlaufende Straße umgeben von karger Landschaft bis hin zum Horizont. Lediglich eine Stromleitung am Straßenrand schien unserer Route nach Nur-Sultan (so heißt die Hauptstadt Astana seit neuestem) zu folgen. Am frühen Abend kamen wir noch in einen Regenschauer. Diesem konnten wir vor Sonnenuntergang noch entkommen um unser Camp im trockenen aufzuschlagen. Wir liegen nun etwas abseits der Straße, mitten im Nirgendwo unter einem hell leuchtendem Sternenhimmel mit Blick auf die Milchstraße.

Der darauffolgende Tag war ähnlich monoton wie die Landschaft. Wir folgten den ewig scheinenden Straßen über Schlaglöcher und Bodenwellen. Eines der Highlights war eine Koreanische Fertigsuppe zu Mittag. Nach insgesamt 350 Kilometern machten wir am Ende des großen Balchaschsees halt, um dort am nächsten Morgen Baden zu gehen. Nach einem weiteren mal Spaghetti beim Sonnenuntergang wurde es relativ Frisch, so dass wir die Strandparty ins Innere des Zeltes verlegten.

Die Spätfolgen des Pamir: 13’929KM – 14’350KM

In der Früh war es so frisch, dass nicht einmal die Kaltduscher unter uns noch in den See schwimmen gehen wollten. Kaffe aufsetzen, schnell zusammenpacken und weiter geht die wilde Fahrt Richtung Astana. Während des wilden Pothole-Rodeos in Richtung Norden konnten wir plötzlich inmitten der gewohnten Geräuschkulisse ein seltsames Knacken hören. Wir wollten sowieso einen Fahrerwechsel machen, also rechts ran fahren und alles checken, wie immer. Diesmal war es nicht der Dachträger, der uns sorgen machte. Als wir uns hinlegten um unter das Auto zu sehen, entdeckten wir, dass gleich beide Federn der Hinterachse gebrochen waren. Dadurch waren wir um einiges tiefer und die hinteren Loungesitze wurden mit einem Knackser wieder zu Schleudersitzen. Das Chassis hängt also nur noch über die zwei zierlichen, ohnehin schon seit Georgien kaputten Stoßdämpfern, an der Hinterachse. Diese wehrten sich bei jeder Welle, doch leider Erfolglos… Jede noch so kleine Welle geht also ungedämpft in die Wirbelsäule der hinteren Sitzreihe. Eigentlich sollte man jetzt den Abschleppdienst rufen, aber dafür hatten wir aus später folgenden Gründen keine Zeit. Wir beschlossen also mit diesem fraglichen Zustand und sechs gedrückten Daumen, die rund 70 Kilometer entfernte Stadt Karaghandy anzufahren. Dort trafen wir Max, einen Einheimischen, dessen Nummer wir von einem befreundeten Italienischen Rallyteam haben. Er führte uns zu der Werkstätte seines Vertrauens. Mit Google Übersetzer und Hand-Fuß Kombinationen konnte er uns bedeutschen, dass das Heute wohl nichts mehr wird, da er ein paar Teile benötigt und Feierabend machen wollte. Wir sollen morgen um Punkt 9 Uhr vor der Türe stehen. Wir wollten eigentlich bereits morgen Mittag in Astana ankommen. Warum überhaupt Astana ?! Da war doch was… Simon und Patrick werden am 5. September von Astana die Heimreise antreten. Zumindest für vier Tage. Der Grund dafür ist, dass eventuell die Hochzeit der lieben großen Schwester bei der Planung der Rally erst etwas zu spät berücksichtigt wurde. Da nimmt man doch so eine kurze Auszeit gerne in Kauf. 

Nichts desto trotz sitzen wir nun in Karanghandy vor geschlossenen Werkstatttoren, mit zwei gebrochenen Federn und leichtem Zeitdruck. Was macht man da ? Erstmal auf einer Wiese gleich hinter dem städtischen Zoo das Zelt aufschlagen und Spagetti kochen.

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