Pamirskiy Trakt: 11’194KM – 12’388KM

Entlang der Afghanischen Grenze: 11’194KM – 11’543KM

Überraschend warm war es mit 23° als wir in der Früh aufstanden. Bei einem Kaffe plauderten wir mit den anderen Teams über die geplante Route. Nach dem wir aufbrachen überholten uns nach und nach Teams von hinten da wir häufig anhielten, um Fotos von der Landschaft zu machen. Diese blieb an diesem Tag ziemlich unverändert aber trotzdem noch wunderschön. Die Straßen verlangten wieder mal Fahrer und Auto alles ab, doch wir ließen uns davon nicht unterkriegen. Unser Sump-Guard (Unterbodenschutz) rettete uns an diesem Tag gefühlt 25 mal das Leben. Hierfür nochmals vielen Dank an Metallbau-Vogl. Wir machten uns rechtzeitig auf die Suche nach einem Schlafplatz zwischen dem reißenden Grenzfluss zu Afghanistan und den teilweise überhängenden Felsschluchten. Als es Dunkel wurde und wir immer noch nichts gefunden hatten, trafen wir Jono und Rebecca aus Neuseeland, welche mit ihrem Smart unterwegs waren. Gemeinsam suchten wir weiter und wurden nach wenigen Kilometern fündig. Als wir einen Bauern fragten, ob wir in seiner Einfahrt übernachten dürfen, stimmte dieser sofort zu und lud uns auf Tee und eine Kleinigkeit zu essen ein. 

Am Morgen des Nächsten Tages gingen wir wie versprochen noch einmal zum Bauern, um bei ihm zu Frühstücken. Als kleines Dankeschön nahmen wir den Kindern Sonnenbrillen mit (Danke dafür an die Raiffeisenbank Oberland). Mit winkenden Händen verabschiedeten wir uns und fuhren weiter auf den Straßen Tajikistans (in all den Karten die wir bei uns hatten waren sie zumindest als Straßen gekennzeichnet). Mit einem Schnitt von nicht einmal 20 km/h konnten wir an diesem Tag rund 160 km schaffen. Kurz bevor wir uns wieder auf die Suche nach einem Schlafplatz machen wollten, erzählten uns andere Teams von einer heißen Quelle in der Nähe. Diese kam uns genau recht, da wir schon länger kein heißes Bad mehr genießen konnten. Wir folgten den anderen und tatsächlich, da war ein nach Schwefel riechendes Becken mit etwa 40°C. Wir schwangen uns nackt hinein und kochten darin für eine Weile vor uns hin. Im Anschluss begaben wir uns mit den anderen sechs Teams auf ein großes Feld in der Nähe und Campten gemeinsam. Nach ein paar guten Gesprächen bei einem Bier am Lagerfeuer mit Ralliern aus aller Welt gingen wir etwas später als sonst ins Bett.

Erster Aufstieg auf über 4000m: 11’543KM – 11’978KM

An diesem Morgen ging es Gabriel nicht all zu gut. Er klagte über Kopf und Gliederschmerzen. Nicht gerade die optimalen Bedingungen, da wir die nächsten Tage gleich 4 mal über 4000 Höhenmeter kommen. Gut, dass wir zu dritt sind, so wurde die Lounge auf der Rückbank zum Krankenbett umfunktioniert. Wir drangen also weiter in den Wakhan-Korridor entlang der Tajikisch-Afghanischen Grenze vor. Die Straßen änderten sich vom asphaltierten Fleckenteppich zu Sand und Schotterpisten. Bei bis zu 20 cm Tiefen Sand und Kiesschichten wurde der Sump-Guard als Rutschteller eingesetzt. Nach durchfahren mehrerer Flussbetten plötzlich ein Schockmoment. Unser Voyage starb immer wieder ab und konnte nur mit Hoher Drehzahl am Leben erhalten werden. Auch ein anderes Rallyteam, welches uns zu helfen versuchte war Ratlos. Ziemlich ungünstig wenn man bedenkt, dass die nächste Stadt mit Mechaniker rund 300 Kilometer Schotterstraßen entfernt lag. Wir entschlossen uns weiter zu fahren und die Drehzahl hoch zu halten. Eine halbe Stunde vor es dunkel wurde konnten wir in einer Hochebene auf 3600 m eine zusammengefallene Ruine finden. In dieser konnten wir Windgeschützt unser Basislager zur Aklimatisierung aufschlagen.

Am nächsten Morgen wurden wir bei einem der schönsten Ausblicke, die wir bis jetzt gesehen hatten munter. Gabriel, der Krankheitsbedingt am Vorabend früher ins Bett ging, wurde dank dem Einsatz seines Wundermittels NeoCitran, wieder für Fahrtauglich erklärt. Auch gut so, denn heute ging es hoch hinauf, auf die ersten 4000er. Schön langsam entfernten wir uns vom Wakhan-Korridor und damit auch von Afghanistan. Es ging in den Norden Richtung Kirgistan. Die Probleme des Vortages schienen Vergangen zu sein. Unser kleiner Japanischer Freund hatte wohl einfach etwas Höhenangst, gemischt mit feuchten Füßen. Mit Schwung im ersten Gang erklommen wir den ersten Pass Namens Khargush mit 4344 Metern problemlos. Auch an die Höhenluft hatten wir uns inzwischen gewohnt. Auf der Spitze angekommen, bemerkten wir, dass wir gerade einmal 3 Flaschen Wasser und ein einzelnes Snickers zur Verpflegung übrig hatten. Unser Europäisches Wunschdenken ließ uns glauben, man würde eh überall etwas bekommen. Doch dem war in den Tajikischen Bergen nicht so. Wir peilten also die nächsten Dörfer an, jedoch waren die Läden entweder nicht vorhanden, oder geschlossen. Nach kurzem Abstieg (immerhin mehrere Stunden) ging es erneut hoch auf 4137 Meter, dem sogenannten Nayzatash Pass. Anschließend lag auf 3600 Metern die „angebliche“ Stadt Murghab. Mit gerade einmal 5 mehrgeschoßigen Bauten, schien das dennoch ein Hotspot im Pamir-Gebirge zu sein. In den ersten Shop den wir fanden trauten wir uns, dank 1,90 Meter Raumhöhe und sehr bescheidenen Lichtverhältnissen nur zu dritt hinein. Dennoch konnten wir unsere Wasser und Snackvorräte aufstocken und nach Einstellung des Unterzuckers und der Dehydration weiterfahren. 20 km später wanken uns alte bekannte aus Neuseeland zu. Wir schlugen unser Lager auf 3750 Metern etwas abseits der kaum befahrenen Straße auf.  Dort konnten wir alten Sparfüchse (wir hatten noch einen halbvollen 20 Liter Kanister Gebrauchwasser), nach dem Servieren unseres „Einsermenüs“ (Spagetti al Pomodoro) unser Geschirr mit Flusswasser abspülen, auch wenn uns dabei die Hände fast einfroren.

Dünne Luft auf 4655m: 11’978KM – 12’388KM

Klirrende Kälte und Regen. Nicht gerade die optimalen Bedingungen für den Aufstieg auf 4655 m Seehöhe, dem Ak Baital Pass. Bereits in der Früh konnten wir vom Zelt aus angezuckerte Steilhänge nur wenige hunderte Meter über uns sehen. Bei 5° packten wir unsere Campingausrüstung ein und machten uns auf den Weg. Der Aufstieg auf den wohl höchsten Punkt den unser Voyage wohl je sehen wird, verlief einmal wieder, dank japanischer Zugkraft problemlos. An der Spitze angekommen feierten wir unseren Aufstieg mit einem Tajikischen Edelbrand (3,50€ je 500ml), während es uns den Schnee um die Wintermützen wehte. Anschließend stand nach einem weiteren Pass mit 4300 m die Grenze an. Mit 4200 m war das die wohl höchste Grenze dieser Rally. Normalerweise befindet sich zwischen den Grenzen ein Streifen Niemandsland mit wenigen Metern, doch hier war das etwas anders. Zwischen den Grenzposten erwarteten uns 19 km der wohl schlechtesten Straßenkategorie (dafür fühlte sich wohl keine der beiden Seiten zuständig). Als wir also glaubten den Pamir geschafft zu haben, wurden wir noch einmal auf die Probe gestellt. Nach einiger Bürokratie konnten wir auch den nächsten Meilenstein meistern und nach Kirgistan einfahren. Dort war es uns fast schon unheimlich auf asphaltierten Straßen wieder mehr als 40 km/h zu fahren. Auf dem Weg in die Stadt Osch begegneten uns wilde Pferde zwischen Jurten und unendlich weiten Hochebenen. Alle anderen Sorten von Tieren wie Kühe, Ziegen, Hühner und Hunde gehöhren hier anscheinend zum Straßenverkehr dazu. In Osch angekommen gönnten wir uns nach 6 Tagen eine erfrischende Dusche und eine Nacht in einem Hostel.

Der Pamir war somit ohne gröbere Probleme abgeschlossen und gehört wohl zu den beeindruckendsten Regionen die wir je sehen durften.

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