Einfach unglaublich diese Iraner: 7’132KM – 8’444KM

Bastelei auf Teheran’s Straßen

Ausschlafen bis 9 Uhr und ein ausgewogenes Frühstuck im Hostel. Fast schon wie ein Tag Urlaub für uns. Danach war Sightseeing am Programm. Mit dem Taxi fuhren wir zum ca. 10 km entfernten Milad-Tower, ein Fernsehturm mit einer Aussichtplattform auf einer Höhe von 302 Metern. Mit insgesamt 435 Metern Höhe ist er dabei der 6. Größte Turm der Welt. Von hier aus konnten wir uns einen guten Gesamtüberblick über die Stadt verschaffen. Oder auch nicht, die Stadt ist mit knapp 13 Millionen Einwohnern riesig und für uns drei Tiroler Landeier kaum vorzustellen. Wieder unten angelangt sahen wir uns noch die Tabiat-Brücke, den großen Bazar von Teheran sowie den Golestan-Palast an. 

Nach dem Sightseeing begutachteten wir uns unseren Dachträger etwas genauer. Dabei fiel uns auf, dass drei von vier Aufhängungen gebrochen bis komplett zermahlt waren. Wir mussten also irgendwie den Dachträger anders befestigen und zugleich noch stabiler als jemals zuvor machen. Dazu standen uns wieder vielerlei Materialien, wie etwa unser Pfannerraster und der Rest des bereits zerschnittenen Schneidebretts zur Verfügung. Mit ein paar Kabelbinder designten wir, mitten auf den Straßen Teherans, ein echt windschnittiges Patent. Als wir fast fertig waren kam ein Einheimischer aus seinem Haus und wollte uns zum Essen einladen. Wir mussten dankend ablehnen, da wir einfach nur fertig werden und ins Bett wollten. Kurz nachdem wir alles wieder verstaut hatten kam er erneut vorbei und hatte einen großen Krug, gefüllt mit einem eisgekühlten Orangensaft dabei. Erneut ließen es sich die Iraner nicht nehmen, uns mit ihrer Gastfreundlichkeit ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Mit“Voll“gas in den Süden: 7’132KM – 7’615KM

Heute wollten wir weiter in den Süden bis in die Großstadt Isfahan vordringen. Da unsere Gasreserven (Campingkocher) langsam zu Grunde gingen, nutzten wir die Chance unseren Bestand in der Hauptstadt zu füllen. Mit dem Auto auf der suche nach einem Campingshop, war alles was wir finden konnten ein Feuerwehrzubehöhr-Laden. Ausgestattet mit dem Leergut statteten wir dem Inhaber einen Besuch ab. Leider hatte dieser das gewünschte Produkt nicht im Angebot, jedoch wusste er, wo in der Stadt dieses zu finden war. Statt uns wie erwartet den Weg zu zeigen, riss er seinen Lehrbub von der Arbeit weg und schickte ihn mit dem Moped los um Gaskartuschen zu holen. Uns servierte er in der Zwischenzeit einen Tee und zeigte uns stolz seine Hochqualitativen Feuerwehrschläuche „Made in Austria“. Nach ca. 45 Minuten hatten wir die Kartuschen in der Hand und machten uns mit vollen Gasflaschen auf den Weg Richtung Süden.

483 km später liegen wir nun in einem großen Park in der Vorstadt von Isfahan und werden uns morgen die Stadt ansehen.

Umstyling und Spezialitäten aus Isfahan: 7’615KM – 7’629KM

Da wir unser Basislager ungefähr 15km vom historischen Stadtkern Isfahans aufgeschlagen haben war die heutige Tagesetappe ein Klacks. Nach einer guten halben Stunde standen wir schon vor dem Hostel Annie. Nachdem wir uns unsere wohlverdiente Dusche gönnten, zogen wir auch schon mit unserer Foto- und Videoausrüstung los in Richtung „Nagasae Jahan“. Der rund 150 x 600m große Platz wird ringsum von zwei prunkvollen Moscheen, dem Ali-Qapu Palast sowie dem großen Bazar eingeschlossen. Jedes dieser vier Gebäude steht für eins Symbol der Stadt. Der Palast steht für die Politik, die Imam Moschee für den Glauben, die Scheich-Lotfallah Mosche für die Lehre und der Bazar für die Wirtschaft. Nachdem wir fleißig fotografiert und gefilmt hatten, beschlossen wir uns wieder in Richtung Hostel zu begeben. Auf Grund der Hitze beschlossen wir ausserdem am Abend noch einen Barber aufzusuchen, der uns drei Schäfchen einmal so richtig die Wolle vom Kopf und Gesicht scheren soll. Als das große Umstyling beendet war, besuchten wir das von Annie’s Freunden (Annie ist die Hostelbesitzerin) empfohlene Restaurant in dem es eine Isfahanische Spezialität gibt. Wir wussten weder wie mann es essen sollte noch was es eigentlich genau war (Aufklärung siehe nächster Tag). Anschließend trafen wir uns mit Annie und ihren Freunden in einem nahegelgegen Lokal in dem es die nächste Spezialität Isfahan zu probieren gab. Es war eine Art pikantes Jogurtgetränk (auch Dough gennant) gemischt mit einem klebrig süßen Gebäck (ähnlich wie Baklava). Die in unserer Vorstellung ganz und garnicht zusammenpassende Kombination aus salzig und süß, war überraschend gut und wir bestellten gleich noch eine Runde.
Den so heißen Tag ließen wir mit Iranischen Nightlife ausklingen. Kleinkinder und Familien spielen und singen am großen Platz und der Si-o-se Pol Brücke bis 4 Uhr früh und ältere Herren rauchen Shisha. Das ist hier ganz normal, da man untertags viel schläft um bei der großen Hitze nicht draußen zu sein.

Alleine in der Wüste: 7’629KM – 8’013KM

Für einen guten Start in den Tag machte uns Annie Frühstück Iranischer Art. Es gab Fladenbrot mit Frischkäse, Karottenmarmelade und Tee. Während dem Frühstück setzte sich Annie zu uns und fragte wie uns gestern die Spezialitäten aus Isfahan gemundet hatten. Wir schwärmten davon und fragten sie, ob sie denn weiß was das genau war. Sie lachte und fragte ob wir das wirklich wissen wollen. An Pati’s Gesicht konnte man sehr gut erkennen, dass er es eigentlich lieber nicht hören möchte, aber Simon und Gabriel waren an den Zutaten sehr interessiert. Das Gericht bestand aus einer Mischung von Schafleber und anderen Innereien im Fladenbrot. Simon und Gabriel hörten gespannt zu, wie denn die Zubereitung genau funktioniert, während Pati heilfroh war, gestern Abend während dem Verzehr nicht zu wissen, was es ist.

Nach dem Frühstück hieß es aufsatteln und weiter gehts. Wir wählten bewusst nicht die selbe Route auf welcher wir von Teheran gekommen sind, sondern starteten direkt in die Wüste Kavir. Das Land wurde immer weiter und karger, bis wir schlussendlich alleine auf einer duzende Kilometer langen Geraden in allen Richtungen den Horizont sehen konnten. Mit kaum einem anderen Auto auf der Straße fühlten wir uns fast ein wenig einsam und waren dennoch von der unglaublich beeindruckenden Landschaft überwältigt. Am Ende des Tages suchten wir uns einen Schlafplatz in der Wüste, wo wir im Schatten eines der vielen Taubenhäuser ruhen, um morgen in aller Frische weiter in den Norden zu fahren.

UPDATE!: Um 23:40 Uhr stehen drei Polizisten und ein Soldat, bewaffnet mit Sturmgewehr und Blaulicht vor unserem Zelt. Auch wenn man sich nichts zu Schulden kommen lies, fühlt man sich da irgendwie nicht ganz wohl dabei. Nach rund einer halben Stunde Diskussion auf Persisch und Tirolerisch fiel uns schon mal auf, dass der Offlineübersetzer den wir installiert hatten auf Arabisch statt Persisch war (das ist anscheinend nicht das Gleiche). Irgendwann zeichnet einer der Polizisten eine Schlange in den Sand und sagt „Danger“ dazu. Endlich verstanden wir, es war dort wo wir schlafen wollten nicht sicher. Simon setzte sich zum ersten mal in seinem Leben in ein Polizeiauto und fuhr mit den Beamten gerade mal 500 Meter zu einem kleinen Haus das von Wasser umgeben und über eine Gitterbrücke (statisch sehr fragwürdig) erreichbar war. Die Polizisten und der Soldat schüttelten wie im Iran üblich jedem von uns die Hand und verschwanden mit eingeschaltetem Blaulicht wieder. Wir  waren also für den Rest der Nacht sicher und schliefen unter freiem Himmel.

Fructose-Überdosis im Norden Irans: 8’013KM – 8’444KM

In der Früh weckten uns die Enten, welche in der Nacht auf uns wachten. Ein schnelles Frühstück mit Fladenbrot, Gurken, sowie Tomaten und dieser leckeren Karottenmarmelade die es hier überall zu kaufen gibt. Wir waren bereits 30 Kilometer weiter in die Wüste vorgedrungen als wir auf der Karte sahen, dass die nächste Tankstelle erst in 110 Kilometern folgt. Ein kurzer Blick auf die Tankanzeige… nocheinmal passiert uns das nicht und wir beschlossen zurück zu fahren und noch einmal vollzutanken. Gesagt getan nahmen wir wieder Fahrt auf und durchquerten die letzten 100 Kilometer der Würste Kavir. Wieder angekommen in der Zivilisation hielten wir an einer Tankstelle um einen Fahrerwechsel zu machen sowie den Reifendruck zu prüfen. Währenddessen kam ein seltsamer Einheimischer auf uns zu und behauptete, er sei Polizist. Wir müssen ihm auf den Posten folgen und ein paar Fragen beantworten. Aufgefädelt wie die Ölsardinen saßen wir da, während unsere Pässe und Visa überprüft wurden. „Today good, no problem“ hieß es und wir durften weiterfahren. Rund 100 Kilometer später hielten uns erneut Einheimische an um Fotos mit uns zu machen. Auf die Frage ob wir Hunger haben, pfiff er einen Freund aus dem Auto zu uns. Bevor wir antworten konnten, drückte uns dieser 2 Melonen in die Hand. Wir knappsten 2 Fotos und weiter ging es. 

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit trafen wir auf der Suche nach einem Schlafplatz einen Bauern. Nach 10 Minuten Gerede ohne auch nur ein Wort zu verstehen kapierten wir, dass wir auf seinem Grund unser Zelt aufschlagen wollten. Er zeigte uns ein halb eingestürztes gemauertes Gewölbe unter dem wir Übernachten sollen. Als wäre das nicht Gastfreundschaft genug, warf er uns noch 15 Pfirsiche aus seinem Feld zu. Gerade als wir diese verstauen wollten, hielt ein weiterer Einheimischer mit seinem Auto an. Und wie üblich, so wollte er uns zu sich nach Hause einladen und für uns kochen. Als wir ihm die bereits ausgebreiteten Schlafsäcke und Isomatten zeigten, öffnete er seinen Kofferraum. Er war vollgestopft mit Nektarinen. Was jetzt kommt weiß eh schon jeder… Wir sitzen nun auf 2 Melonen, 15 Pfirsichen und einem Sack randvoll mit Nektarinen in der alten Bude eines Iranischen Bauers. Fr die nächsten Tage gibt es also zwei Möglichkeiten: Entweder wir müssen 3 Tage nicht mehr kochen oder wir wir haben spätestens morgen alle Dünnpfiff. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s