Über Weltkulturerbe und Schlaglochhölle – von der Türkei nach Georgien: 3’335KM – 5’170KM

Das Straßensalz der Türkei: 3’335km – 3’967km

An diesem Tag wollten wir vor dem Eintreffen der Touristen-Massen von den Sinterterrasen ein paar Aufnahmen machen, weshalb wir auch an diesem Morgen wieder sehr früh unser Zelt verließen. Nachdem wir gute Aufnahmen vom Weltkulturerbe Pamukkale im Kasten hatten, machten wir uns auf den Weg in den Osten, wo uns ein ausgetrockneter Salzsee namens „Tuz Gölü“ erwartete. Auf dem Weg dahin durchquerten wir ein kleines Türkisches Nest, das optisch mehr an die Zeit um 1950 erinnerte. Keine Menschenseele war zu sehen, lediglich ein paar abgemagerte Esel und Kühe die uns mit ihren Lauten anfeuerten, zumindest empfanden wir es so. Asphaltierte Straßen suchten wir ebenso wie einen Markt, bei dem wir unseren Proviant auffüllen wollten. Die Suche verblieb allerdings Erfolglos. Am Ziel angekommen, liesen wir es uns nicht entgehen, unseren vierrädrigen Freund Voyage in die Mitte des ausgetrockneten Salzsees zu fahren. Dieses Vorhaben beendeten wir relativ rasch, als wir merkten, dass alle vier Reifen sich mehrere Zentimeter in der Salzkruste eingruben. Nach ein paar Fotos (siehe unten) überquerten wir den See über einen Damm in der Mitte um auf der anderen Seite nach einem passenden Schlafplatz zu suchen.

Erste Revisionsarbeiten:3’967km – 4’136km

Bisher einer der wenigen Tage, an welchem wir uns weniger als 200 km vorgenommen haben. Trotz der wenigen Kilometer, war das Ziel bisher eines der beeindruckendsten. Der Nationalpark Kappadokien/Göreme ist eine in Sandstein geschlagene Stadt, in welcher die Heißluftballon-Fahrt sehr große Tradition hat. Dort angekommen schlugen wir uns unser Basislager auf einem Campingplatz, welchen wir uns mit Dutzenden Mongolrallyteams aus aller Welt teilten. Durch die kurze Anfahrt erreichten wir das Ziel schon am frühen Nachmittag. Unterwegs besorgten wir in einer nahegelegenen Stadt noch einige Teile für die Rallytauglichkeit unseres Autos, welche wir im Anschluss am Campingplatz montierten. Unter anderem verbauten wir einen Schutz für den Kühlergrill sowie ein kleines Upgrade für unsere Wasserversorgung am Dach. Als der Sonnenuntergang etwas näher rückte, bewegten wir uns auf einen der Sandsteinhügel, um den Abend zu genießen und den Tag ausklingen zu lassen. 

Der frühe Vogel fotografiert den Ballon :4’136KM – 4’817km

0400 hieß es diesmal als der Wecker klingelte, der Grund war nicht ein übertrieben weites Tagesziel, sondern die Heißluftballons, welche bei Sonnenaufgang in den Himmel steigen sollen. Ausgerüstet mit all unserem Foto- und Videoequipment bestiegen wir im dunklen einen der Sandsteinhügel. Um 0530 war es dann soweit, gerade als die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont blinzelten, stiegen zugleich mehr als 100 Heißluftballons in den Himmel. Dieser unvergessliche Blick lies für einige Minuten unsere Zeit stehen und wird sicher eines der Highlights unserer Reise durch die Türkei bleiben. Für den restlichen Tag nahmen wir uns vor ein letztes mal 700 km zurückzulegen, da es die Türkischen Straßen noch zuliesen. Während wir mit unserem Auto über eine Passstraße hinaufkletterten, trafen wir auf ein Australisches Rallyteam, welches am Seitenstreifen gehalten hat. Wie es eine unausgesprochene Rallyregel besagt, blieben wir natürlich stehen und baten ihnen unsere Hilfe an. Bei einem gerissenen Keilriemen und überhitztem Kühler konnten auch wir mit unserem bescheidenem Ersatzteillager nicht wirklich weiterhelfen. Nach einem kurzem Gespräch Überliesen wir ihnen jedoch das restliche Gitter, aus welchem wir uns einen Steinschlagschutz für den Kühler gebaut haben. Kurz darauf traten wir die weiterfahrt an.

Als wir uns zum vierten mal an diesem Tag über 2000 m Seehöhe befanden, schlugen wir pünktlich zu Sonnenuntergang unser Basislager auf. Um uns vor dem starken Wind zu schützen, verzehrten wir unser Abendmahl (Spaghetti al Pommodoro Specko Tirolo) heute im Vorzelt. Als die letzte Gabel den Mund verlies, parkte ein Auto direkt vor dem Zelt. Zum ersten Mal zusammenpacken und einen neuen Schlafplatz suchen, da wir hier nicht erwünscht sind, dachten wir. Doch die Türkei ist immer für eine Überraschung zu haben. Es war „Erdem“ und sein Vater „Hossein“, welche uns zu Ihnen einluden. Nach kurzen Sprachbarrieren und Kommunikation mit Hand und Fuß servierte uns die ganze Familie türkische Spezialitäten. Im Anschluss bekam Pati noch eine Führung durch deren Stall. Als Abschluss stellte uns Erdem noch seine Freunde „Mr. Fahti“ und „Mr. Mehmet“ vor. Die zwei Imker zeigten uns mit stolz ihre Bienenzucht und führten uns in die Lehre der Cay (Türkischer Tee) Herstellung ein. Als Dankeschön schossen wir noch ein gemeinsames Foto mit der Polaroid Kamera und überreichten es Ihnen. „Mr. Fahti“ platzierte dieses stolz an seiner Schlafzimmertür. Wirklich ein sehr gelungener Abend.

D915 – mit zuwenig Bodenfreiheit nach Georgien: 4’817km – 5’170km

Der letzte Abschnitt im Kapitel Türkei stand bevor. Dabei trennten wir uns bewusst von den gut ausgebauten Schnellstraßen der Türkei. Wir fokussierten die D915, eine der gefährlichsten Straßen der Welt. Sie führt über 179km von Askale über 2400m Seehöhe nach Of an die Küste des Schwarzen Meeres. Dabei soll sie uns die Geländetauglichkeit unseres Autos im Bezug auf Bodenfreiheit aufzeigen. Um 0900 trafen wir uns mit einem anderen Rallyteam aus Teneriffa. Nach wenigen Kilometern und immer schlechter werdenden Straßen mussten wir uns von ihnen jedoch wieder trennen, da wir ihr Tempo auf Grund unserer geringen Bodenfreiheit nicht mithalten konnten. Am schlimmsten Teil der Stecke konnten wir in mehreren Stunden nur wenige Kilometer zurücklegen.

Endlich aus der Hölle der D915 entkommen, entschlossen wir uns bei einem Cay in der Großstadt Reize unser Tagesziel von der Türkei auf Georgien zu verlegen. An der Türkisch-Georgischen Grenze wurden wir dabei zum ersten mal von einander getrennt. Wir wurden in Fahrer (Gabriel) und Mitfahrende (Patrick und Simon) aufgeteilt. Gabriel überquerte wie üblich einen Haufen Checkpoints und Autodurchsuchungen, während Simon und Patrick sich durch einen Flughafen ähnlichen Dschungel an Sicherheitschecks kämpften. Voller Vorfreude fieberten Simon und Patrick dem Wiedersehen von ihrem Auto mit dessen Fahrer entgegen und als es endlich so weit war konnten sie ihre Reise nach Batumi fortsetzten.
Nach mehr als 11 Stunden Fahrt stand folgendes Resume fest: Das Auto muss, koste es was es wolle, höher gelegt werden da sonst Schotterpisten wie sie uns in Tadschikistan erwarten werden zur Qual werden würden.


Die Lösung des Problems erfahrt ihr im nächsten Blog

2 Kommentare zu „Über Weltkulturerbe und Schlaglochhölle – von der Türkei nach Georgien: 3’335KM – 5’170KM

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